Der Fluch der Sexyness

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Sexyness

Es gibt eine gesellschaftliches, ungeschriebenes Gesetz, das ich so gerne ändern würde: Frauen müssen sexy sein.

Lasst uns die kurz die Fakten nennen: Sex ist toll. Sich attraktiv und begehrenswert zu fühlen, flutet uns mit Glückshormonen und pusht das Selbstbewusstsein. Weil wir Menschen sind und trotz der großartigen Erfindung von Verhütungsmitteln den Fortpflanzungsinstinkt in uns haben, spielen Attraktivität und die Möglichkeit, Sexualpartner zu finden für uns eine wichtige Rolle. Aber es ist doch, mit Verlaub, nicht das Einzige, das uns Menschen ausmacht!

Es gibt doch neben Sex eine Menge ziemlich guter Gründe auf diesem Erdball herumzuspazieren.

Die absolut empfehlenswerte Doku „Vom Strampler zu den Strapsen“ belegt eindrucksvoll, wie bereits heranwachsende Mädchen mit der einen, mächtigen Doktrin konfrontiert werden, die ihr Selbstwertgefühl ein Leben lang massiv beeinflussen wird: Sei sexy. Diese Botschaft umgibt uns brüllend laut, in Werbeclips, sogenannten Frauenzeitschriften, auf haushohen Plakatwänden und im Hollywood-Blockbuster. Sie ist unmissverständlich und hämmert sich mit Abbildungen von Frauen mit leicht geöffnetem Mund, langen Locken und genau der richtigen Mischung aus gertenschlank und knackigen Kurven täglich in unser Gehirn. Und man muss den Eindruck gewinnen, dass Frauen diese Maßgabe derart verinnerlicht haben, dass sie nicht müde werden, in diesem Spiel mitzuspielen. 

Motiviert zu diesem Artikel hat mich eine Kolumne in der Zeit, in der sich die Autorin für den Gebrauch von Botox ab 40 ausspricht. Der Text an sich – vermutlich ein ehrlicher Blick auf die Wertmaßstäbe unserer Gesellschaft, auch wenn ich sein Fazit nicht teilen kann. Aber was mich viel mehr erschreckte, war die Diskussion, die unter dem Link zum Artikel in einer Facebook-Gruppe entbrannte, die sich mit female empowerment beschäftigt. Denn der Tenor der Kommentare las sich im Wesentlichen so: Auch mit 40 sei eine Frau doch noch attraktiv, auch mit 60 werde doch manche Frau noch offensiv angeflirtet und überhaupt, machten doch auch andere Merkmale, wie Lachfältchen oder Selbstbewusstsein attraktiv.

Mit Verlaub – das ist die falsche Diskussion. Es ist egal, ob 40 das neue 30 ist oder ob man auch noch im Rentenalter genügend Männern auf dem Campingplatz die Augen verdrehen kann. Mit Kommentaren dieser Art bleiben wir nämlich brav drin, im Rädchen der Sexyness-Doktrin. Wir unternehmen nur den Versuch, den Korridor dessen, was als sexy gilt, etwas breiter zu machen. Was bleibt, ist aber immer noch ein übertriebener Fokus auf unserer körperlichen Attraktivität.

Ich will damit nicht sagen, dass Sex nicht wichtig ist und dass es eine schlechte Sache ist, sich im eigenen Körper wohl zu fühlen. Aber ich will unbedingt damit sagen, dass diese ganze Sexyness-Geschichte viel zu viel Gewicht hat. Und dass wir gut daran täten, etwas weniger Bestätigung im Außen zu suchen und etwas mehr versuchten, Kraft, Selbstbewusstsein und Selbstliebe IN uns zu finden. Das gilt übrigens auch für Männer – was Frauen die körperliche Form ist, ist Männern der berufliche Erfolg (das ist natürlich stark vergröbert, auch der Körper wird für Männer immer wichtiger). Trotzdem stecken diese Rollenbilder und die damit verbundenen Ansprüche noch tief in uns – oder warum stehen auf so vielen Messen immer noch hübsche Frauen in kleinen Kostümchen herum oder wird selbst auf Pizza-Lieferservice-Flyern immer noch eine dralle, lächelnde Blondine abgebildet? Weil Frauen immer noch viel zu oft als Dekorationsartikel gelten.

All diese mehr oder weniger subtilen Botschaften formen in uns die Überzeugung, dass unsere Schönheit unser Kapital ist. Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land? Kein männlicher Protagonist eines Märchens hat sich das wohl je gefragt, allerdings war der auch meist mit der Erfüllung männlicher Rollenklischees beschäftigt und tötete tapfer Drachen, Unholde oder war zumindest irgendwie erfolgreicher Prinz. Mann wie Frau jedenfalls schöpft in diesem Szenario ihren oder seinen Wert aus dem Erfolg bei der Partnersuche. Und die wiederum verknüpfen wir mit dem vorliegenden Maß an Attraktivität. Eine Gedankenkette, die wir nur selten hinterfragen und die eine Quelle für eine Menge Selbstzweifel, Ängste und Unglück ist, wie uns der Film „Embrace“ kürzlich wieder einmal vor Augen führte.

Außerdem muss ich einem Missverständnis vorbeugen: Sexyness ist nicht Sex.  Lust ist nicht gekoppelt an bestimmte Körperformen oder an ein bestimmtes Alter. Unsere Obsession für den perfekten Körper kann uns, im Gegenteil, sogar blind werden lassen für das Erleben von echter Erotik. Im Interview mit Inge Ritter, das ich für meinen Artikel über Sexualität im Alter geführt habe, antwortet sie auf meine Frage, warum weibliche Sexualität in unserer Gesellschaft immer mit Jugendlichkeit assoziiert wird: 

Ich glaube, dass Sexualität auch heute noch mit einem Tabu belegt ist, auch wenn sie sich noch so offen präsentieren mag, begründet in einer jahrhundertelangen Prägung. Da unser Blick auf die Sexualität nicht frei ist, bleibt uns nur der Blick, der begrenzt und damit sexistisch ist: abwertend, diskriminierend, besitzergreifend. (…) Uns fehlt ein Wahrnehmen der Zwischentöne von Sinnlichkeit, Erotik, Sexualität. Darum kann der weibliche Körper in den Medien, in der Werbung etc. nur auf diese Weise vorgeführt werden.

Es ist also weniger ein Naturgesetz, dem wir da folgen, als eine Entwicklung, die in den letzten Jahrhunderten der Sexualität eine Menge ihrer ursprünglichen Freiheit genommen hat. Wir wollen um fast jeden Preis sexy sein – im Kontakt mit unserer eigenen Lust sind wir deshalb noch lange nicht. Denn beim Thema Attraktivität geht es in erster Linie um Bestätigung. Wir wollen vielleicht gar nicht gleich mit jedem potentiellen Objekt der Begierde ins Bett hüpfen, wir sind süchtig nach dem Gefühl, dass die oder der andere es wollen würde. Aber solange wir unsere eigenen Unsicherheiten durch Bestätigung von außen heilen wollen, kämpfen wir einen nie enden wollenden Kampf.

Angenommen, wir wollen aus diesem Muster nun aussteigen – wie stellen wir das an? Eine erste Ahnung einer Antwort finde ich bei Margaret Paul und Erika J. Chopich. Sie schreiben in „Aussöhnung mit dem inneren Kind“, dass wir uns nur dann von der ewigen Suche oder auch Sucht nach Aufmerksamkeit lösen können,

 „wenn Sie sich entscheiden, dass es Ihre eigene Verantwortung ist, zu lernen, (…) Gefühle zu erleben, die besser sind als jene, die andere Menschen in Ihnen hervorrufen können.“

Bähm. Nicht nur, dass wir uns selbst so gute Gefühle machen sollen, wie es andere tun, Nein, wir sollen uns die BESTEN aller Gefühle selbst erzeugen. Wir sollen die volle Verantwortung für unser inneres Gefühl von Zufriedenheit in unsere eigenen Hände nehmen. Wie viele Menschen tun das wohl? Und wer lehrt uns das? DAS wäre doch eine Diskussion, die geführt werden müsste. Dann hätten wir am Ende, man wagt es kaum, zu denken, vielleicht in sich ruhende Individuen, die sich mit sich selbst wohlfühlen und die Sexualität und Lust aus reiner Freude miteinander teilen, anstatt einen Handel mit Ego-Streicheleinheiten einzugehen. Dann wäre Erotik einfach Erotik und der Mensch an sich, in seinem Selbst-Bewusstsein nicht mehr reduziert auf diesen einen Aspekt.

Attraktivität ist EIN Teil des Menschseins, nicht der Einzige und auch nicht der Wichtigste. Wir haben uns einem Dogma untergeordnet, das uns in Fitness-Center treibt, in denen wir Sport nicht mehr betreiben, um unseren Körper gesund zu halten, sondern um die seitlichen Bauchmuskeln zu definieren und per Selfie auf Instagram herzuzeigen. Wir sind in einer Welt gelandet, in der sich Frauen Nervengift ins Gesicht spritzen lassen, um mit einem jugendlichen Schönheitsideal mitlächeln zu können, ohne dass man ihnen ihr bereits gelebtes Leben ansehen darf. Wir leben in einem Land, in dem die meistgelesene Zeitung als Aufmacher 50 schöne Frauen ab 50 zeigt.

Und wer mir jetzt mit dem Argument um die Ecke kommt, der Mensch liebe halt schöne Dinge… Ja! Natürlich tut er das, wir sind Augentiere. Aber wir haben nicht nur Augen. Wir haben auch Grips und Herz und eine Seele. Wir kopulieren nicht den ganzen Tag, es gibt doch tatsächlich auch andere Tätigkeiten, die ebenso glücklich machen können. Also lösen wir endlich diese beengende Fessel des vermeintlich kausalen Zusammenhangs von Glück und Sexyness und widmen uns den Dingen, die uns Freude machen, die uns erfüllen und die uns ein richtig gutes Gefühl geben, völlig ungeachtet der Tatsache, ab wann unser Poppes in den Kniekehlen hängt. Findet eine Leidenschaft in euch selbst  – für euch selbst, für das Leben, für etwas, das euch begeistert. Sorgt für eure BESTES Gefühl. Das ist eine Aufgabe, die viel Verantwortung beinhaltet, aber auch ein Schlüssel zu einem erfüllten Leben und auch zu erfüllter Lust sein kann.

15 Comments

  1. Bettina says:

    Ich stimme dir hundert Prozent zu, besonders in dem Punkt, der beschreibt, wie sich Frauen vermeintlich diesem Zwang entziehen, indem sie – ebenfalls vermeintlich – selbstbewusst vermelden, sie seien schließlich auch mit 40, 50, 60 noch attraktiv.
    Ich selbst bin von solchem Verhalten alles andere als frei, leider. Aber mich erschreckt, wie salonfähig es unter selbstbewussten, klugen, emanzipierten Frauen wieder geworden ist, dem Äußeren – und noch schlimmer in dem Zusammenhang dem Sexy Sein – eine Wichtigkeit beizumessen, die sie früher vielleicht auch hatte, die man aber zumindest in Frage gestellt hat. Heute findet Frau es durchaus in Ordnung, wenn sie merkt, sie kommt karrieremässig weiter, wenn die Röcke etwas kürzer sind. Das wird nicht mehr hinterfragt.

    1. kea kea says:

      Danke Bettina, für deinen Kommentar!
      Ich glaube eben auch, dass diese Ausweich-Manöver auf andere Faktoren oder Alters-Abschnitte im Bezug auf die Attraktivität am Kern des Pudels vorbeigehen. Und mit Sicherheit kann man sagen, dass die Oberflächlichkeit und damit die Wichtigkeit dieses Kriteriums in den letzten Jahrhzehnten zugenommen hat und Formen annimmt, die einfach viele viele Menschen sehr unglücklich machen. Allein die Selfie-Kultur – wer hätte denn früher einen ganzen Film in der Kamera mit Selbstbildnissen verknipst? Wir drehen uns schon verdammt viel um unseren eigenen Bauchnabel im Zeitalter von Smartphone und Co. Ich habe auch den Eindruck, dass der Wunsch schön zu sein, den es sicher immer schon gab, abgelöst wurde durch den Wunsch, sexy zu sein. Wie man an deinen Eindrücken sehen kann, leider keine gute Entwicklung. Hoffen wir, dass auch das nur eine Phase ist und die Frauen der Welt sich mehr und mehr von diesem Bild emanzipieren. Und die Männer vom ihrigen, denn der Wert eines Menschen sollte weder an seinem Busen, noch an seiner Brieftasche bemessen werden.
      Liebe Grüße!
      Kea

  2. Carolin says:

    Ein sehr interessanter Beitrag! Ich kann dir und deinen Ansichten nur zustimmen.
    Was mich in letzter Zeit ja immer öfter schockiert, ist die Art, wie sich schon junge Mädchen mit 14 oder 15 Jahren nach außen hin geben. Top gestylt und leicht bekleidet, als wären sie nicht 15, sondern 25. Keine Frage, diese Mädchen sind sehr hübsch, aber das wären sie doch auch, ohne sexy auf Instagram zu posieren. Ich finde diese ganze Entwicklung bedenklich, denn es zeigt, unter welchem Druck junge Frauen stehen.

    1. kea kea says:

      Hallo Carolin, ja, absolut – schon junge Mädchen geraten zunehmend unter Druck und an die Kindheit grenzt scheinbar übergangslos ein Dasein als Objekt der Begierde. Da bleibt so wenig Raum, sich selbst zu entdecken, bevor sie im Fokus der Begehrlichkeit stehen. Ich hoffe, dass die Gesellschaft es gemeinsam schafft, hier umzudenken und wieder Freiräume für junge Mädchen und Frauen zu schaffen. Ob es gelingt, ist wohl zweifelhaft, aber der Versuch muss gemacht werden!

  3. Svenja says:

    Wow, genau so ist es. Ich habe am Wochenende eine Doku gesehen, die zu diesem Thema unglaubliches Entsetzen ausgelöst hat. Wie allgemein sexualisiert Frauen werden und das Frauen in den Medien eigentlich nur zwischen 15-40 existieren, weil danach ja die Fruchtbarkeit nachlässt, hat mich echt erschreckt. Lasst und endlich das Denken in Geschlechtern beenden. Das kommt uns allen zu gute!

    Liebe Grüße,
    Svenja

    Ps: die Doku heißt „miss representation“

    1. kea kea says:

      Wow, Danke dir, Svenja, für den Tipp! Habe mir den Trailer angesehen und werde mir die Doku definitiv anschauen –leider wird den Menschen oft nur dann bewusst, wie krass unser Frauenbild durch die Medien geprägt wird, wenn man sie mit so einer Bilderflut konfrontiert. Im Alltag bleiben sie hingegen oft unbemerkt. Deshalb kann es gar nicht genug Aufklärung und Artikel zu diesem Thema geben!
      Liebe Grüße, Kea

  4. Birgit says:

    Liebe Kea,

    dieses Mal wird es nachdenklich, persönlich und viel bei mir im Kommentar, weil ich mich in einigen wiedererkannt habe.

    Ich bin ziemlich weit entfernt davon, mein Äußeres als gut zu empfinden (mein Gesicht kann ich meist gut leiden), und gleichzeitig mag ich mein Inneres sehr. Aber: Das Äußere hat die größere Kraft, wie mir gerade mal wieder aufgefallen ist. Ich bin eine der Frauen, die nicht verheiratet sind, keine Kinder haben und erfolgreich im Beruf sind. Eine Heirat war bisher kein Thema (was mich durchaus auch leiden lässt, dabei wollte ich durchaus auch mal so gar nicht), Kinder wollte ich nie haben (was mich schon ab und an mal fragend zurückgelassen hat: Was ist mit mir los?), und womöglich glücklicherweise hat es sich für mich und die Kinder auch nicht einfach so ergeben. Mit meinem Beruf war ich immer eng verbunden; ich fühle mich mit dem, was ich tue, wohl, und schon eine Weile habe ich die perfekte Art und Weise gefunden, mit dem, was ich arbeite, gutes Geld zu verdienen und mir mein Blog fürs kreative Ausleben zu gönnen.

    Meine Erfahrung ist, dass Männer in der Tat mit all dem von mir in Kombination ein Problem haben, zumindest, wenn es um eine Partnerschaft mit mir geht. Ich schwanke oft zwischen der Euphorie über das, was ich für mich und alleine erreicht habe und der Müdigkeit darüber, dass ich es alleine erreicht habe und das also auch fortsetzen muss. Wie bequem wäre es doch, versorgt zu werden! (Frag nicht…)

    Mit meinem Lebensstil befinde ich mich in meinem Umfeld alleine auf weiter Flur. Meine Freundin erwähnte unlängst, dass sie es ja nicht nötig habe, arbeiten zu gehen, weil ja Ihr Mann das Geld verdiene. Ich bin heute noch über diese Aussage schockiert. Wir selbst hätten es in der Hand, einiges zu verändern, und leider habe ich auch erfahren, dass Frauen wie ich von vielen anderen Frauen nicht akzeptiert werden. Ich habe auch erfahren, dass ich auf eine Art und Weise ausgegrenzt werde. Und ich habe erfahren, dass Frauen sich eben selbst in Rahmenbedingungen begeben, die wir eigentlich nicht mehr mögen und nicht mehr akzeptieren sollten.

    Wenn wir uns als Frauen das also schon antun, wird eine Veränderung schwer. Aber nie ist etwas unmöglich, sondern es ist wichtig, dass ein paar anfangen und damit nicht aufhören.

    Ich arbeite gerade an meinem Körperbewusstsein und konkret damit, die vermeintlichen Makel immer mehr zu akzeptieren und auch zu zeigen. Gift in meiner Stirn kommt nicht in Frage, und für manche OP bin ich zu feige, so dass mich das vor einem Eingriff retten wird, hinter dem ich eh nicht stehen würde. Besagte Freundin hat sich übrigens Fett absaugen lassen, und ihr Mann betont durchaus stolz, wie super schlank sie ja sei…

    Bei all dem Geschilderten heute ist mir bewusst geworden, wie wichtig diese Themen auch für mein Blog sind – meinem Sprachrohr zur Welt. Es gab viel Persönliches heute, aber dies aus dem Grund der Zustimmung und gleichzeitig dem des Schmerzes, den ich spüre, weil ich mich nicht in andere Fahrwasser begeben kann, um es bequemer zu haben und damit noch nicht im Reinen mit mir bin.

    Danke für Deine Ausführungen und die Inspiration!

    Viele liebe Grüße

    Birgit

    1. kea kea says:

      Liebe Birgit –

      ich danke dir von Herzen für deinen ausführlichen und persönlichen Kommentar! Das ermutigt mich, diese Themen immer wieder bei den Hörnern zu packen, einfach, weil sie so so wichtig sind. Für mich ist es sehr schön, zu sehen, dass diese Beiträge wirklich zum Nachdenken anregen.

      Beim Lesen deines Textes habe ich so oft genickt! Du schreibst:
      „Ich schwanke oft zwischen der Euphorie über das, was ich für mich und alleine erreicht habe und der Müdigkeit darüber, dass ich es alleine erreicht habe und das also auch fortsetzen muss.“
      JA! Ja, verdammt! Es ist hart! Es ist Scheiße! Es macht oft keinen Spaß! Darüber MUSS geredet werden, denn die volle Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen ist nicht gerade das, was Frauen an Sozialisation genossen haben. Übrigens auch viele Männer nicht, die werden zwar auf beruflichen Erfolg getrimmt, übernehmen aber oft weniger Verantwortung für die eigenen Gefühle und das Seelenleben. (Ich pauschalisiere hier, natürlich gibt es immer Ausnahmen in beide Richtungen).
      Weißt du, wenn ich darüber nachdenke – GENAU das will ich mit meinem kleinen, bescheidenen Leben anstellen: Frauen (und Männer) dazu zu ermutigen, die volle Verantwortung für sich zu übernehmen. Und ich wünsche mir eine unterstützende, wertschätzende Community im Hintergrund, die bei diesem Prozess der Selbstwerdung hilft und berät. Boing – Birgit, da hast du mich gerade meine Vision formulieren lassen. Das hab ich schon seit Wochen im Kopf, aber nun ist es rausgehüpft. Ich DANKE dir!

      Und zu deinem Punkt: „Und ich habe erfahren, dass Frauen sich eben selbst in Rahmenbedingungen begeben, die wir eigentlich nicht mehr mögen und nicht mehr akzeptieren sollten.“ – auch ein dickes Ja. Manchmal (immer seltener, aber trotzdem) ertappe ich mich selbst noch dabei! Es ist eine Transformation, die Zeit braucht, Zeit und Sorgfalt. Aber zusammen schaffen wir das, jeden Tag ein Stück weiter.

      Danke, dass du hier mitliest und -denkst! Ich finde diesen Austausch und den Einblick in die Lebenserfahrungen anderer Frauen so wertvoll!
      Alles Liebe! Kea

      1. birgit says:

        Liebe Kea,

        oh, das freut mich sehr, dass da was aus Dir heraus gehüpft ist! Ich glaube, wir beide inspirieren uns gegenseitig – so soll es sein!

        Meine Vision ist ganz ähnlich: Ich mag auch eine Gemeinschaft mit gut aufgestellten, selbstbewussten und die Verantwortung für sich und ihr Tun übernehmenden Menschen auf- oder ausbauen (ein paar gibt es ja schon). Auch die, die schon weit damit sind, brauchen ja immer mal einen Anschubser (weiß ich von mir).

        Dann lass uns mal weitermachen!

        Ich lese gerne bei Dir und nehme mir immer etwas mit, über das ich nachdenken möchte.

        Ein Danke also auch an Dich und bis bald hier wieder!

        Liebe Grüße Birgit

    2. Bettina says:

      hoffentlich zahlt der Mann deiner Freundin ihr monatlich einen fetten Betrag auf ein Pensionskonto, denn die Chance steht 50:50, dass es eine Scheidung gibt und sie im Alter dann ohne Geld dasteht, weil er nicht zahlen will oder es einfach nicht tut, weil er das nicht muss

  5. Barbara says:

    Ich bin über Instagram auf deinen Blog gestoßen. Was mir in deinem Artikel fehlt ist der Bezug zum Geld. (Ich bin Bwler) und um aus dem Hamsterrad des sexy seins auszubrechen hat mir geholfen zu verstehen das die Medien und vorallem die Industrie nur verdient wenn sie etwas verkaufen. Und verkaufen kann man nur an Menschen die einen Mangel haben. Also wird ein Mangel generiert in Werbung, Frauenzeitschriften (finanziert durch Werbung)…. In diesem Fall „du bist nicht sexy aber kannst es sein wenn du X kaufst“.
    Eyeliner, Parfüm, Botox genauso wie Fitness Studio Mitgliedschaft oder einen BMW…

    Wenn es nun von 1000 Ecken auf einen reinprasselt dann glaubt man es irgendwann, will es glauben weil man ja mittlerweile auch den Eyeliner und den BMW gekauft hat.

    Also wage ich diese These: wahres ist meist umsonst. Sexy macht innere Zufriedenheit, Lachen das von Herzen kommt, ein Körper der von dem der drinnen wohnt geliebt, gepflegt und angenommen wird. Und Sex macht sexy. Aber nur der, bei dem beide bei der Sache sind. Im jetzt wie es ist. Nicht im Mangeldenken wie es besser sein könnte.

    Ich freue mich weitere Beiträge von dir zu lesen!

    Barbara

    1. kea kea says:

      Liebe Barbara,

      schön, dass du auf meine Seite gefunden hast!
      Ja, absolut, hinter der Schönheitsdoktrin steht eine gewaltige Industrie, die von dem geringen Selbstwertgefühl vieler Frauen profitiert. Sie kann allerdings mit ihren Werbeversprechen auch nur auf fruchtbarem Boden landen und den ebnen wir als Gesellschaft täglich neu.
      Deshalb will ich eben auch gar nicht so sehr auf Alternativen abseits des Körpers schauen, die uns das Gefühl geben könnten, sexy zu sein, sondern direkt nach anderen Werten die Hand ausstrecken. Wir könnten uns stark, witzig, mitfühlend oder kreativ fühlen und DARAUS unsere Kraft ziehen und ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der diese Eigenschaft mehr wiegen, als Sexyness. Sex haben wird die Welt trotzdem noch genug, das ist mal sicher 😉

      Liebe Grüße!
      Kea

  6. Linkliebe № 6 – LexasLeben says:

    […] Der Fluch der Sexyness […]

  7. Bettina says:

    und dann liest man von Golferinnen, die gegen Kleidervorschriften protestieren, weil sie keine ultrakurzen Röcke tragen dürfen, um ihren gestählten Body zu zeigen, reicht der Erfolg beim Golfen nicht aus? Oder müssen sie ihr nicht vorhandenes Talent überspielen?

    klar, von mir aus kann eine Frau im Stringtanga und einem kurzen Top, das knapp unter ihren Brüsten aufhört, auf der Straße rumlaufen, aber wozu brauch ich das, wenn ich mir mit Siegen einen Namen machen kann?

    1. kea kea says:

      Ich glaube, die meisten Menschen graben nicht so tief in sich, sich zu fragen, warum sie sexy sein wollen/sollen… Sie fühlen sich gut, wenn sie im Außen bestätigt bekommen, dass sie attraktiv sind. Das steckt ja in uns allen. Leider hält diese Bestätigung eben nur sehr kurz an und wenn wir einen Großteil unseres Selbstwerts daraus ziehen, müssen wir damit eben immer weitermachen.
      Ich würde mir nicht anmaßen, über das Talent der Spielerinnen zu urteilen und ob es da irgendeinen Zusammenhang gibt – ich wünsche ihnen, dass sie sich so kleiden, wie es ihnen Spaß macht und dass sie sich vielleicht wenigstens einmal grundsätzlich fragen, ob es ihnen Spaß macht, weil andere zusehen oder ob sie sich, auch wenn sie ganz allein auf der Welt wären, so am wohlsten fühlen würden. Ich selbst kann bei diesem Test übrigens bei fast allem, was ich so an Schönheitsprogramm im Badezimmer absolviere Nein sagen – Wimperntusche & Co sind, ganz nüchtern betrachtet, klebrig und blöd im Gesicht. Frei machen kann ich mich aber auch noch nicht an allen Tagen davon – es ist ein Prozess, in dem wir auch Geduld mit uns brauchen. Was ich aber bemerke, und das ist ein großartiges Gefühl: Je mehr ich mich auf das konzentriere, was ich der Welt geben kann, mit meiner Lyrik und meinen Texten zum Beispiel, umso weniger Gewicht und Macht über mich haben diese Fragen 🙂

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