Der Körper einer Frau ist KEIN Buffet – Nachhilfe für die Bildzeitung

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Sehr geehrte RedakteurInnen der Bild-Zeitung.

Wenn ich ehrlich bin – seriöse Berichterstattung bin ich von Ihrem Blatt mitnichten gewöhnt. Immer wieder entzückten Sie mich in der Vergangenheit mit Titel-Aufmachern wie „die schönsten Frauen mit 50“ und ähnlich misogynen (frauenfeindlichen) und altersdiskriminierenden Missgriffen.

Ihr neuester Artikel über die Sängerin Mariah Carey  aber zwingt mich dazu, ein paar grundlegende Regeln über den respektvollen Umgang mit Frauen zu wiederholen – für alle, die sie offensichtlich noch nicht verstanden haben. Lassen Sie uns doch, der Einfachheit und Verständlichkeit halber, eine schicke vier-Punkte-Liste erstellen. Ihre Zitate, meine Antworten. Und los geht’s:

Punkt 1) 

„Pop-Presswurst Mariah Carey treibt die Zahl überzeugter Vegetarier mit ihren ewig einschneidenden Bühnenoutfits dramatisch in die Höhe. Fleischeslust wecken ihre hautfarben bestrumpften XL-Kurven im XS-Fummel nämlich NICHT!“, heißt es im Bild-Artikel. Aha. 

Fürs Protokoll: Es ist nicht die Aufgabe einer Frau, „Fleischeslust“ zu wecken. Weder die von Boulevard-Journalisten, noch von irgendjemand anderem auf diesem Planeten.

Punkt 2)

„Außen prall, darunter streich(el)fähig.“, so lautet das Bild-Urteil über Frau Carey und auch an dieser Stelle ist offenbar Nachhilfe nötig: Es ist ebenfalls nicht die Aufgabe einer Frau, streichelfähig zu sein. Überhaupt, was für eine kreative Wortschöpfung: „Streichelfähigkeit“: eine absolut passive Eigenschaft, die Frauen zu Objekten degradiert und von stillschweigendem Einvernehmen ausgeht. Noch schlimmer, die suggeriert, Frauen müssten in irgendeiner Weise gewissen Kriterien entsprechen, um in den Augen von Männern „streichelfähig“ zu sein. Ist Ihnen schon mal in den Sinn gekommen, dass wir die Hände, die uns berühren dürfen, selbst aussuchen? Dass es sinnvoller sein könnte, über Kriterien für Qualitätsjournalismus nachzudenken, als über Wertmaßstäbe für Frauenkörper? Das einzig Streichfähige in dieser ganzen Angelegenheit scheinen mir die Zeilen Ihres Artikels zu sein.

Punkt 3)

Wenn Sie über Frauen berichten, warum nicht über deren Ideen, Erfolge und Fähigkeiten? Immerhin scheint sich auch der Verfasser (oder ist es eine Verfasserin? Ich hege Zweifel) bewusst zu sein, „dass Mariah Carey eine gewaltige Stimme hat“ und „dass die Diva of Pop und Mutter von Zwillingen mit über 200 Millionen verkauften Platten, 18 Nummer-eins-Hits in den USA und über 520 Millionen Dollar auf dem Konto zu den erfolgreichsten Künstlern aller Zeiten gehört!“ Allerdings, „vergisst man beim Anblick solcher Bilder leider immer mal wieder.“ Ich schlage vor, dass Sie zukünftig bei Bewerbungsgesprächen eingehender darauf achten, ob Ihre zukünftigen BerichterstatterInnen unter partieller Amnesie leiden. Darauf zu verzichten scheint sinnvoller journalistischer Arbeit offenbar abträglich zu sein.

Punkt 4) 

Den Tiefpunkt erreicht der Artikel an seinem Ende. Frau Carey wird attestiert, dass sie sich auf ihren Social Media Kanälen in „zweifelhafte und unvorteilhafte Posen.“ zeige. Ganz offensichtlich versucht man noch, dem Vorwurf des Body-Shaming zu entgehen, indem man auch Körperformen jenseits von Konfektionsgröße 36 als attraktiv auslobt – doch der Schuss geht nach hinten los, wird er doch bis zur Unkenntlichkeit verquirlt mit einer deftigen Prise Misogynie. Diese Mischung endet dann mit folgender, haarsträubender Moral von der Geschicht:

„Nix gegen ein üppiges Buffet – doch es sollte geschmackvoll angerichtet sein.“

Noch einmal ganz langsam und sehr deutlich: Der Körper Frau ist KEIN Buffet. Völlig egal, wie es ausgestattet ist. Vielleicht noch mal zur Erinnerung eine kleine Begriffsdefintion:

„Statt der herkömmlichen Menüfolge, welche am Tisch des Gastes serviert wird(…), werden bei einem Buffet alle Speisen gleichzeitig auf einem separaten Tisch aufgetragen und ansprechend arrangiert, und der Gast kann sich seinen Vorlieben entsprechend selbst bedienen.“ Quelle: Wikipedia.

Und ich hoffe doch, liebe RedakteurInnen der meistgelesensten Zeitung Deutschlands (manchmal schäme ich mich für meine MitbürgerInnen), dass Sie mir zustimmen, dass sich niemand, aber auch gar niemand am Körper einer Frau „seinen Vorlieben entsprechend selbst bedienen“ kann.

Wenn Sie also das nächste Mal das Bedürfnis verspüren sollten, Ihre „Fleischeslust“ zu befriedigen, empfehle ich ein deftiges Buffet mit Sauerkraut und Schweinshaxen. 

34 Comments

  1. Julia | themagnoliablossom says:

    Danke!

    1. kea kea says:

      So gern. Ich finde es einfach wichtig, immer und immer wieder klar zu machen, was Sexismus ist und dass wir ihn nicht brauchen und wollen. Viele Kommentare, die ich heute auf Facebook und Instagram lesen musste, haben mich darin bestärkt.

  2. Julia says:

    Und die gleiche Zeitung wundert sich dann schlagzeilenträchtig über sexuelle Übergriffe….
    Ich bin fassungslos. Ist das Deutschland 2017??? Dann hat der Feminismus und die Gleichstellung der Frau noch nicht einmal angefangen.

    1. kea kea says:

      Es ist noch so ein weiter Weg, Julia, das denke ich mir auch so oft. Denn es ist die eine Sache, eine Zeitung zu betreiben, die derartige Inhalte verbreitet, die Gesellschaft, die es akzeptiert und keinen Unmut äußert, ist die andere – da ist noch viel an Sensibilisierung und Diskussion nötig.

  3. Sammy says:

    Oh Hilfe, ich muss echt kotzen bei diesem Bild-Artikel. Der ist einfach dumm wie Dosenbrot!

    1. kea kea says:

      Ich habe es nicht ganz so drastisch ausgedrückt 😉 Aber schön, dass du mir inhaltlich zustimmst!

  4. Julia says:

    Oh man ich bin immer noch fassungslos das so etwas geschrieben und auch noch gedruckt wird! Wie kann man nur eine Frau mit einem Buffet vergleichen???? Und da wundern sich die Menschen über die übergriffe Sylvester in Köln und regen sich auf über die Ausländer die so etwas mit deutschen Frauen tun! Aber hier wird ja grade zu dazu eingeladen sich an uns Frauen zu bedienen! Ich bin schockiert!!!! Schockiert!!!! Das es Menschen mit solchen denkmustern gibt und das man ihnen ein Plattform bietet diese auch noch zu verbreiten. Ich selber lese die Bildzeitung nicht , weil ich diese Art von Journalismus noch nie gut gefunden habe. Aber mit diesem Bericht sind Sie selbst unter Ihr Niveau gesunken! Ich denke der Verfasser sollte sich schämen so einen beleidigenden und vollkommen idiotischen Vergleich zu ziehen!
    Ich bin erschüttert das es solche sexistisch Ansichten gibt und noch mehr das Sie jetzt von Millionen gelesen werden. Das traurige daran ist das die meisten dieser Leser das wahrscheinlich nicht einmal verstehen was da Grade geschrieben wurde jnd das wir uns mit solchen Äußerungen wieder auf den direkten Weg ins Mittelalter befinden!

    1. kea kea says:

      Liebe Julia, da sprichst du eine traurige Wahrheit aus – die meisten werden diesen Artikel als unterhaltend und witzig empfinden. Was einfach auch zeigt, wie stark uns die Medien schon geprägt haben. Das ist wirklich erschreckend! Ich stieß auf diesen Artikel, weil ich nach Neuigkeiten von Mariah gesucht habe und war, genau wie du, einfach nur schockiert. Es ist ja so, dass ich als Feministin öfter Dinge höre, wie „Ihr mit eurer geschlechtergerechten Sprache nervt“ usw. – aber was Sprache kann und welche Macht sie hat, das vergessen viele! Und das Wort „Buffet“ im Zusammenhang mit einem Frauenkörper zu wählen, das lässt wirklich tief ins Patriarchat blicken.

  5. Susi says:

    Danke. Ich finde es extrem erschreckend, dass man im Jahr 2017 als Frau immer noch so herabgewürdigt wird.
    Ich fand diese Zeitung schon immer zum kotzen.

    1. kea kea says:

      Liebe Susi – Danke für deinen Kommentar, es IST wirklich erschreckend. Vor allem, dass derartige Meldungen als Neuigkeiten akzeptiert werden – von Millionen LeserInnen!

  6. Julia says:

    Das macht tatsächlich sprachlos!!!

    1. kea kea says:

      Zum Glück nicht ganz 🙂 Ich habe heute morgen auch noch eine direkte Mail an die Bild und ihren Ombudsmann geschickt. Ich bin gespannt, ob es überhaupt eine Reaktion gibt.

  7. Katja says:

    Vielen vielen Dank für Deinen Einsatz! Großartig geschrieben! Was für ein Wahnsinn, wie Leute glauben mit anderen Menschen umgehen zu können! Völlig absurd!

    1. kea kea says:

      Vielen Dank, Katja! Viele haben mir auch gesagt, dass das vergebliche Liebesmüh sei – ich sehe das aber überhaupt nicht so! Sexismus gehört angesprochen. Da sollten wir nie drüber stehen, denn wenn wir das tun, läuft alles so weiter, wie bisher!

  8. Susanne Cordes says:

    Wie armselig ist eine Zeitung., die Ihre Leser mit Vorurteilen des weiblichen Geschlechts bedient. Wir sind die Leidtragenden der unfähigen Köpfe, die durch Vorurteilsdenken Ihre Potenz stärken. Wer andere herabwürdigt, zeigt die eigene Schwäche.

    1. kea kea says:

      Hallo Susanne – ja, das stimmt. We sich sexistischer (oder rassistischer oder homophober oder sonstwie diskriminierender) Sprache bedient, offenbart sein eigenes Gefühl von Ohnmacht. Wir sind aber nur dann die Leidtragenden, wenn wir das auch akzeptieren – und genau hier können wir ansetzen und lautstark ein Zeichen setzen, dass wir das nicht einfach hinnehmen!

  9. PS says:

    Guter Text. Danke!
    Ich ignoriere die Bild ja immer so gut es geht und kann dank Adblocker nichtmal den Originalartikel lesen.
    Und betrachte es für mich als Verschwendung von Sauerstoff und Lebenszeit, sich an sowas abzuarbeiten. Aber wohl leider leider muss immer wieder darauf hingewiesen werden, was das für ein Dreck ist…

    1. kea kea says:

      Gerne! Ich danke dir für deinen Kommentar! Ich kann verstehen, dass du dieses Medium ignorierst, das habe ich auch streckenweise in meinem Leben immer wieder getan, aber manchmal packt es mich dann doch, wie in diesem Fall, als ich nach Neuigkeiten über Mariah gesucht habe und dann diesen sexistischen Blödsinn lesen musste. Derlei Irrsinn darf einfach nicht unkommentiert bleiben. Sonst geht es endlos weiter damit und ich will einfach für alle jungen Mädchen da draußen eine andere, bessere und respektvolle Zukunft!

  10. Birgitta says:

    Danke! Mir tiefst aus dem Herzen gesprochen musste ich es gleich auf Facebook teilen!

    1. kea kea says:

      Das freut mich Birgitta, Danke! Die Botschaft, dass wir uns diese Form von Sexismus nicht gefallen lassen, kann gar nicht genug Menschen erreichen. Nur so kann sich etwas ändern! 🙂

  11. Eva says:

    Vielen Dank für diesen Beitrag! Ich habe ihn ebenfalls bei FB geteilt.

    1. kea kea says:

      Ich danke dir, Eva! Je mehr Menschen sich darüber Gedanken machen, umso besser – ich glaube immer noch, dass sich durch aktive Gegenrede etwas ändern kann!

  12. Pipa says:

    Unglaublich … dem ist echt nichts mehr hinzuzufügen. Ich bin ja gespannt, ob die Bild antwortet …

    1. kea kea says:

      Und ich erst! Bisher herrscht noch das Schweigen im Blätterwalde. Ich halte euch auf dem Laufenden!

  13. Birgit says:

    Liebe Kea,

    es gibt da ja wie so oft mehrere Seiten, die sich an einer Sache beteiligen und zur Wahrheit beitragen. Die Bild-Zeitung hat ihren – ich weiß gar nicht, wie ich ihn beschreiben soll – Stil. Die, die dieses Blatt (regelmäßig) kaufen und / oder lesen, haben eine Erwartungshaltung und fühlen sich womöglich durch einen solchen Artikel schlichtweg unterhalten.

    Ich kann Dir gar nicht sagen, was ich schlimmer finde. Und ich finde beides sehr schlimm.

    Sich auf Kosten anderer Menschen unterhalten zu wollen, ist in meinen Augen genauso verwerflich, wie, diese Lust zu bedienen.

    Die Frage, die sich mir immer wieder stellt ist: Wie können wir dies nachhaltig ändern? Meine Erfahrung ist leider, dass – sobald Du versuchst, es anzusprechen, anzuprangern, Du auf Verständnislosigkeit stößt. Wie also erreichen wir diejenigen, denen nicht so recht bewusst ist, was sie da wirklich tun?

    Da ist mir noch keine gute Lösung eingefallen außer der, es eben anders zu halten, mich möglichst vorbildlich zu verhalten und zu zeigen, und damit beizutragen, dass es immer mehr Menschen gibt, die sich anschließen und es auch wertzuschätzen wissen.

    1. kea kea says:

      Liebe Birgit –
      du hast natürlich recht… Die Bild kann nur schreiben, was auch gelesen wird. Andererseits ist – neben dem plakativen Bodyshaming – der Subtext manchmal so subtil und versteckt sich in einem Wörtchen wie „Buffet“. Daher wäre ich gar nicht mal so sicher, dass alle LeserInnen diesen Vergleich und seine Bedeutung überhaupt erfassen und hoffe doch, dass sie, darauf hingewiesen, eventuell sensibilisiert werden. Mir wäre das früher auch nicht so eindeutig und krass aufgefallen.
      Trotzdem prägen diese Ausdrücke natürlich eine Geisteshaltung, vor allem, wenn sie gebetsmühlenartig in den Medien wiederholt werden. Das „übliche“ Reden über mangelnde „Fuckability“ ist dann, wie gewohnt, gar nicht subtil, sondern eben Bild-Stil.
      Tja, was tun? Ich denke: Drüber reden. Nicht einfach nur Kopfschütteln und weitergehen. Denn das hat noch nie viel geholfen. Sich selbst wertschätzend über andere Frauen zu äußern und bei Lästereien auch ganz offen zu sagen, dass man sich daran nicht beteiligen möchte, ist aber in jedem Fall wichtig und richtig!

  14. Maike says:

    Danke. Auf den Punkt!

    1. kea kea says:

      Gerne! Auf den Tag, an dem Artikel wie dieser nicht mehr notwendig sein werden!

  15. Britta says:

    Und solche Schreiberlinge beschweren sich dann im nächsten Atemzug, das Trump frauenfeindlich wäre. Womit ich nicht unter den Tisch kehren will, das Trump sich frauenfeindlich verhält.
    Aber es zeugt von einer bodenlosen Doppelmoral, das dies Verhalten zum einen angeprangert wird und zum anderen selbst gelebt wird.

    Danke für den tollen Artikel!

    1. kea kea says:

      Oh jaaa, Britta, diese Doppelzüngigkeit macht mich auch wirklich rasend bei diesen Sachen!
      Man steigt bequem auf jeden Zug auf, wie es gerade passt und beteiligt sich selbst an der Aufrechterhaltung eines Frauenbildes, das man eine Seite weiter an den Pranger stellt. Wirklich scheinheilig, bitter und einfach so unnötig!
      Ich halte euch auf dem Laufenden, ob die Bild sich zu einer Stellungnahme hinreißen lässt. Ich wäre doch gespannt, ob sie den Buffet-Vergleich verteidigen!

  16. Carolin says:

    Ich bin wirklich kein Fan von Frau Carey, aber der Artikel ist ja absolut niveaulos.
    Pfui!

  17. Cathy says:

    Genau.

  18. Susanne says:

    Hallo Kea,
    vielen Dank, du bringst es auf den Punkt. Ich finde niemand hat das Recht, über den Körper eines anderen zu urteilen. Was soll das? Es ist einfach nur niveaulos und gemein. Und wir Frauen sind mehr, als nur ein Körper. „Wenn Sie also das nächste Mal das Bedürfnis verspüren sollten, Ihre „Fleischeslust“ zu befriedigen, empfehle ich ein deftiges Buffet mit Sauerkraut und Schweinshaxen. “ Jawohl und mit diesem Satz hast du mich zum Schmunzeln gebracht. Ich danke dir.
    Alles Liebe,
    Susanne

  19. Conny says:

    Super geschrieben! Die arme Mariah Carey ist ja irgendwie für alle dieser Drecksblätter (sorry), nicht nur der Blödzeitung, vom ehemaligen Vier-Oktaven-Stimmwunder zur „Presswurst“ mutiert. Nur Kommentare, wie „dick“ sie ist, kein Wort über ihre Sangeskunst. Und niedrigstes, sexistischtes Niveau… Meine Güte! Sie ist eine Sängerin, die Stimme ist wichtig. Und nicht jede trägt eine 36/38. Und müssen wir Frauen immer als „Appetithäppchen“ herhalten, mit ja nicht Pfunden an den falschen Stellen!? Aber solange es diese sch… Zeitschriften gibt, wird es nicht enden mit diesem Bodyshaming und den Sprüchen, wie Frauen auszusehen haben, aber auf keinen Fall so… Danke und liebe Grüße Conny

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