Die Liebe meines Lesens.

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Es ist ein wenig paradox: Für meine Hommage an die Liebe zur Literatur habe ich ein Buch geschlachtet. Ich habe es erst gelesen und dann sorgsam zerteilt, filetiert, in seine Einzelseiten zerstückelt. Nicht, weil es so schlecht war, ganz im Gegenteil! Weil es viel zu schade war, um geschlossen im Regal zu stehen. Die Rede ist von dem Buch „Frauen, die lesen, sind gefährlich“, an dem ich mit meinem Fahrrad namens Foxy auf dem Weg zum ersten Hauptstadt-Mädchen-Treffen am Mittwochabend vorbeiradelte. Für ein Mädchen wie mich, dem die Liebe zu schönen Worten in die Wiege gelegt wurde, fing dieser Titel sofort Feuer in mir. Frauen, die sich Wissen aneignen, die Altbekanntes hinterfragen, verwerfen, neu erfinden – ja, sie sind unbequem, aber herrgott, sie sind wichtig!

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Das Buch stand zwischen allerlei Kuriosem der Weltliteratur auf einem Grabbeltisch vor einem winzigen Neuköllner Laden und nachdem der Titel einige Sekunden in mir widerhallte, kam ich keine zwei Meter mehr weit. Kurzerhand machte ich kehrt, nahm das Buch mit leichtem Wasserschaden in die Hand und blätterte einige Seiten darin vor und zurück. Und sofort kam mir die Idee, daraus ein Wandkunstwerk für meinen Flur zu gestalten. Da die Zeit drängte, stürmte ich in den Laden. Umnebelt von dichten Rauchwolken saß hier eine Gruppe feurig debattierender Spanier, die mich zunächst gar nichts bemerkte. Bedauernd warf ich einen Blick auf all die alten Bücher, die in den Regalen und Kisten auf ein zweites oder drittes Leben hofften und hier eine stiefmütterliche Behandlung erfuhren – ganz offensichtlich wurden sie hier nicht geliebt, sondern geräuchert. Dabei ist doch ein Hauptbestandteil des antiquarischen Genusses für Kenner besonders der unnachahmliche Geruch von altem Papier. Schnell kramte ich zwei Euro aus meinem Geldbeutel, bedankte mich höflich und der Rest des Abends ist vorerst Hauptstadt-Mädchen-Geschichte.

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Heute habe ich mich ganz genüsslich dem hingegeben, wozu Bücher gemacht sind: Ich habe gelesen. Ich habe auf meinem Flokati gesessen und, tief über mein Buch gebeugt, nachvollzogen, wie das Motiv der lesenden Frau sich in Malerei und Fotografie im Laufe der Jahrhunderte wandelte. Hier waren sie alle versammelt, die Träumenden die Wissbegierigen, die Kritischen, die Sanften, die Hingerissenen, die Unbeugsamen.

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Nach der umfassenden Lektüre tat ich dann das, was jedem Bücherfreund ein wenig Schmerzen bereiten würde – ich zerteilte das Werk mittels eines Cutters martialisch in seine Einzelteile, trennte die mir liebsten Bilder heraus und breitete sie auf meinem Zimmerboden aus. Dann suchte mit großen Genuss und ganz versunken in mein Tun die perfekte Anordnung, stieg auf einen Hocker und schaute mit zusammengekniffenen Augen, ob mir gefiel was ich sah; so lange, bis sich das Gesamtbild stimmig anfühlte. Ergriff dann beherzt den Hammer und brachte meine Galerie an die Wand. Zu meinem Glück fehlte nun noch ein Regal, das ich – wie könnte es anders sein – thematisch passend aus Bücherstapeln und einem Kiefernholzbrett aus dem nahen Baumarkt bastelte. Hier leistet nun mein neuer Farn den Damen Gesellschaft, meinen geliebten OSB-Platten-Boden ziert der Teppich Casablanca von Liv Interior.

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Schon beim Aufhängen wusste ich, sie alle werden mir treue Gefährtinnen werden in den kommenden Wochen und Monaten, sie werden mich begrüßen, wenn ich nach langen Tagen nach Hause komme, vertraut wie liebgewonnene Freundinnen. Sie werden mich ermahnen und daran erinnern, mehr zu lesen, mehr zu schreiben und mein Leben dem zu widmen, das mich seit jüngster Kindheit fesselt wie nichts anderes: Der Kunst, mit Worten das Herz zu berühren.

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3 Comments

  1. Lisa says:

    Liebe Kea,
    hach was für ein schöner Beitrag, so inspirierend! Und das Ergebnis kann sich ja auch wirklich sehen lassen. Ich habe durch deinen Beitrag hier erst gemerkt dass das erste Haupstadtmädchen Treffen ganz unbemerkt an mir vorbeigegangen ist..ich hoffe wir sehen uns dann beim nächsten Mal 🙂
    Liebe Grüße,
    Lisa

  2. Ein Blog = Ein Thema? | hello Mrs Eve says:

    […] Die Literatur. Sie klang schon mit bei meinem Beitrag zu der Deko im Flur mit meiner Galerie lesender Frauen und auch in meinem letzten Artikel zum Thema winterliches Dekorieren ist mir einfach so eins meiner […]

  3. Jeannette says:

    Was für eine wunderhübsche Idee! Und: Es sieht toll aus 🙂

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