Wenn aus Tagen Nächte werden – Leben mit Depressionen

Posted on
Leben mit Depressionen

Angst ist nicht das, was ich am meisten fürchte – obwohl ich als Mensch mit Panikstörung diese Anfälle aus heiterem Himmel kenne, die mir das Herz bis zum Hals schlagen lassen und mich in Sekundenschnelle mit Todesangst fluten bis unters Dach – sie sind es nicht, die mir das Leben manchmal unerträglich machen. Denn Angst ist ein sehr lebendiges Gefühl – sie fordert volle Konzentration, ein hohes Maß an Energie, alles verdichtet sich zu diesem einen, drängenden Gedanken: überleben, irgendwie da durchkommen. Die Muskeln hart, das Blut in den Adern pocht, die Luft wird knapp –  und irgendwann dann schließlich die Entladung, wenn die Attacke ihren Klammergriff endlich löst und Entspannung meinen Körper erfasst. Hoch und Tief des Lebens, in wenigen Augenblicken. Anstrengend wie ein Marathonlauf. Aber immer noch bunt, wenn auch ein wenig schrill.

Aber was darunter liegt, das ist das wahrhaftig Beängstigende. Dieser matte, dumpfe Teppich, der dem Leben alle Farben entzieht und den Gefühlen den Sound abdreht. Depressionen. Lange drang ich gar nicht zu ihnen durch, nur ab und zu flackerte dieses seltsame Nichts in meiner Brust auf – lange Jahre war ich mit Angst beschäftigt, dann mit einer Essstörung und wenn ich nicht gerade mit einem von beidem rang, dann fand ich Wege, diese Leere zu betäuben. Konsum war einige Jahre lang mein bester Freund. Wenn man immer etwas herbeisehnt, den nächsten Kissenbezug, das nächste Paar Schuhe, wenn man sich richtig Mühe gibt, um eine oberflächliche Mitte zu kreisen und sich regelmäßig mit einem kleinen Endorphinrausch versorgt, hat es die lähmende Traurigkeit schwer, sich einzunisten. Natürlich war sie trotzdem da und wartete geduldig und ich wusste das – aber ich fürchtete sie so sehr, dass es lange dauerte, die anderen Schalen dieses Zwiebelprinzips der Gefühle abzublättern und mich zu trauen, sie anzusehen. Ihr wirklich zu begegnen.

Nachdem ich meinen Blog erst auf nachhaltiges Interior Design umstellte und schließlich dann voll und ganz meinen eigenen Wortspielereien widmete – weil mir Kunst sinnvoller vorkam, als Konsum – sickerte sie langsam durch die Ritzen meines Bewusstseins. Schlich sich von hinten an und legte mir ihre klammen Finger um Herz und Verstand. Sie trieb die fröhlichen Gedanken zu den Toren hinaus und ließ mich direkt morgens in ein Gefühl absoluter Leere und fehlender Sinnhaftigkeit erwachen, das sich nur schwer wieder abschütteln ließ. Was auch immer ich tat, sie stand nebendran – allzeit bereit. Und manchmal schlug sie gerade dann zu, wenn etwas besonders schön war. Während ich mich über eine kleine oder große Sache freute, flüsterte sie plötzlich in mein Ohr: Aber am Ende ist doch alles sinnlos. Und ich fand keine geeignete Gegenrede. Gab ihr mit hängenden Schultern Recht und alles Glück wich jener trüben Mattigkeit, die mir das Hirn vernebelte und die Tage in Nächte verwandelte.

Ich glaube, die Depression ist schon lange in mir, ein Abgrund unter der dünnen Schicht Leben, die ich ihr abgetrotzt hatte, aber in dem Moment, als ich mich auf mich selbst besann, brach ich einfach ein. Immer, wenn Menschen den Kampf gegen sie verloren, Robert Enke, Robin Williams, Chester Bennington, ergriff mich Panik – wenn sie es nicht schafften, Menschen, die Zugang zu den besten Therapien hatten, wenn sie es nicht schafften – wie konnte ich es dann schaffen? Wird mich diese partielle emotionale Mondfinsternis wirklich mein ganzes Leben lang begleiten? 

Ich beneide glühend all jene, die mich nur verständnislos anschauen, wenn ich das Wort mit D in den Mund nehme. Was für gesegnete Wesen! Oft höre ich den Satz: „Aber warum fragst du dich denn nach dem Sinn des Lebens? Genieß es doch einfach!“ In ihrer Denkwelt eine logische Frage. In meinem Kopf nicht. Denn ich stelle mir diese Frage nicht. Das Gefühl ist einfach da. Es ist eine Form von Hoffnungslosigkeit, die sich einfach meiner bemächtigt, ohne, dass ich sie eingeladen, gebeten oder stundenlang darüber philosophiert hätte. Das ist ja das Heimtückische.

Natürlich gibt es, neben der allgemeinen Tendenz zur Dunkelheit, Phasen, in denen sich die Symptome noch verschlimmern. Nach der Trennung von meinem Mann vor einigen Wochen rieb sich die Depression begeistert die Hände, um anschließend wie eine Wahnsinnige über mich herzufallen. Ihre Wucht war so gewaltig, dass ich weiter gar nichts tun konnte, außer mich in den Wind zu stellen und die Wellen kommen zu lassen. Die guten Momente zum Atemholen zu nutzen – und es waren wenige – und irgendwie daran zu glauben, dass es sich lohnt, weiterzumachen. 

Denn meine Erfahrung ist auch die: Je mehr ich dagegen ankämpfe, je mehr ich sie nicht haben will, je angstrengter ich mit viel zu schwachen Glühbirnen gegen diese Schwärze anzuleuchten versuche – umso mächtiger wird sie. Deshalb gibt es immer diesen Moment, an dem ich –vorübergehend!– kapituliere. In dem ich akzeptiere, dass sie da ist und sie einfach da sein lasse. So geschehen vorletzte Woche, als ich einfach keine Kraft mehr hatte, an ihrem Rand zu balancieren. Dann tauche ich für einige Tage ab und gebe ihr den Raum, den sie so lautstark beansprucht. Und nach einer Weile lösen sich dann aus dieser Hoffnungslosigkeit wieder einige Gefühle, unangenehme meist: Traurigkeit, Wut, Einsamkeit, in letzter Zeit vor allem Einsamkeit. So, wie in der Dämmerung die Dinge um uns langsam wieder Konturen annehmen und sich aus der Dunkelheit herausschälen, schwappen dann diese Emotionen in mir hoch – sie zu fühlen ist ein steiniger Weg. Aber ich glaube, er ist der einzige Weg. Darin unterstützt und mir Kraft gegeben hat dieser TED Talk von Brené Brown über Verletzlichkeit, in dem sie sagt:

Verletzlichkeit ist die Wurzel von Scham, Angst und unserer Sehnsucht danach, uns wertvoll zu fühlen. Aber sie ist ebenso die Geburtsstunde von Freude, Kreativität, von Liebe – du kannst deine Gefühle nicht partiell betäuben. Wenn du Scham und Angst betäubst, betäubst du im Gegenzug auch Dankbarkeit, Fröhlichkeit, Verbundenheit.

Und das ist wohl so. Schließlich funktioniert meine besondere Sensibilität für die Moll-Töne genauso auf der Dur-Tonleiter. Oder, wie mein lieber Wörtertausch-Partner und Lieblings-Insta-Poet sommeraufdemdach es ausdrückt: „Wir Dichter sind Behältnisse für allerhand Gefühle. Das wird immer dazu gehören.“ Ich hoffe trotzdem, dass sich die Zusammensetzung dieses Gefühlscocktails im Laufe meines Lebens ein bißchen mehr Richtung Sonnenseite ändert. Möglich wird das aber vermutlich nur dann, wenn ich bereit bin, alte Wunden zu heilen und mich nicht zu betäuben. Dieser Ansatz begegnete mir auch in einer online Therapiestunde von Katy Perry, die es auf Youtube zu sehen gibt. Darin sagt Dr. Siri Singh, dass ein nicht authentisches Leben in verschiedenen „Lösungsstrategien“ münden kann: Betäuben (Konsum, Sex, Substanzen), Externalisieren in Wut, Internalisieren durch Depression oder die Umwandlung in körperliche Symptome. Wie wir uns denken können, sind alle diese Strategien zwar Krücken. Aber meist sehr destruktive. Es gibt keinen Weg um den Schmerz herum. Wir müssen ihn suchen, wir müssen ihn annehmen, um ihn zu heilen. Ich versuche schon seit einer Weile, durch die Arbeit mit dem inneren Kind (mehr dazu in diesem Blogpost) diesen Gefühlen zu begegnen. Und ich mache Fortschritte, heule wie ein Baby und wühle mich durch Schichten und Schichten aus Schmerz – und dann gibt es Momente, in denen ich denke, es kann gar nicht genug Selbstliebe in mir geben. Dass diese Flut an Traurigkeit und Verlassenheitsgefühlen zu groß ist für mich. Deshalb bin ich froh und unendlich dankbar für all die lieben Menschen, die in dieser Zeit für mich an mich glauben – denn ich kann es nicht immer. Maggi, Anki, Lotta, Rebecca, Lena, Becci, Melanie – ihr seid die Sterne an diesem Firmament! 

Abseits davon gilt für mich: Natur, Sport, Meditation – meine heilige Dreifaltigkeit. Und, natürlich, die Lyrik, mein Zufluchtsort in Worten. Ansonsten gibt es noch das Credo: Jeden Morgen duschen. Klingt für Normalsterbliche ganz normal, für mich ist es das in depressiven Phasen nicht. Da braucht es dann manchmal mehrere Anläufe und klappt erst nachmittags oder am Abend – home office ist in dieser Hinsicht verführerisch. Und ich weiß, wenn ich diesen ersten Schritt morgens nicht schaffe, kann ich den Rest des Tages meistens in die Tonne kloppen. Deshalb versuche ich, liebevoll und gemeinsam mit der Depression unter dem warmen Wasserstrahl zu stehen und das Leben trotzdem immer wieder in Angriff zu nehmen. Spätestens, wenn ich dann im Wald stehe, den Wind in den hohen Bäumen rauschen höre und mich mit der Welt für ein paar Augenblicke verbunden fühle, dann weiß ich – es lohnt sich. Für diese Augenblicke lohnt es sich. 

Leben mit Depressionen

Allen da draußen, die auch gegen diese Krankheit kämpfen, wünsche ich Kraft, Zuversicht und schicke ihnen vielleicht wenigstens das Gefühl, nicht alleine zu sein!

 

  • Share

32 Comments

  1. Julia | themagnoliablossom says:

    Was ein wundervoller, purer, ehrlicher und so berührender Text! Danke, Kea <3

    Liebste Grüße
    Julia

    1. kea kea says:

      Ich danke DIR, liebe Julia. Immer mehr komme ich zu dem Schluss, dass ich mein Schreiben dafür nutzen möchte, zu helfen, die Tabus rund um Angst, Depressionen & Co abzubauen. Damit sich Menschen in meinen Texten verstanden fühlen – oder dadurch mehr Verständnis entwickeln können.

  2. Verlinkt – voller worte says:

    […] über Wenn aus Tagen Nächte werden – Leben mit Depressionen — Kea schreibt – Lyrik […]

  3. Julia/julesfoodworld says:

    Ein wunderschön geschriebener und ehrlicher Text der mich mitten ins Herz trifft! Vielen Dank das du uns so sehr an deinem Leben teilhaben läßt. Gerade in schwierigen Zeiten oder wenn man unter solchen Krankheiten leidet ist es nicht leicht dazu öffentlichen zu stehen. Aber weil du es tust und damit eine unglaubliche Stärke beweist, berührt es um so mehr!

    Und das mit der Dusche ist so ein gutes Beispiel das jeder sofort versteht der auch darunter leidet!

    1. kea kea says:

      Hallo, du Liebe! Danke für deine liebevollen Worte ❤️❤️❤️
      Es hat ja eine Weile gedauert, bis ich mich so öffnen konnte, weil ich befürchtet hatte, in der „Irren“-Schublade zu landen. Aber wenn sich nie einer raustraut, bleiben all diese Krankheiten weiter da drin. Also freue ich mich, dass gerade diese, sehr persönlichen Texte bei euch so viel Anklang finden. Das berührt mich sehr und bestärkt mich in der Annahme, dass diese Themen noch viel Liebe und Aufmerksamkeit brauchen, bis wir, als Gesellschaft, besser damit umgehen können.

  4. Wildgans says:

    So intensiv, so wahr!

    1. kea kea says:

      Danke! ❤️

  5. Julia says:

    Danke für deine Offenheit. Mir hat die Depression in den schlimmsten Zeiten sogardie Worte geraubt. Aber es ist heilsam, sich wieder mitteilen zu können und es tut gut von anderen zu lesen, die Ähnliches erleben. Ich wünsche dir viel Kraft für die ständigen inneren Kämpfe und die Überwindung zum Duschen. Mir graut es ein wenig vor dem Herbst, meiner eigentlich liebsten Jahreszeit…

    Alles Liebe,
    Julia

    1. kea kea says:

      Da sprichst du mir aus der Seele, Julia – in den ganz dunklen Momenten gehen mir auch die Worte flöten und ich bekomme jedes Mal Angst, dass sie nicht wiederkommen, gerade, was meine Poesie betrifft. Aber dann bahnen sie sich doch wieder einen Weg, wenn die Wolken lichter werden.
      Ach, ich versteh dich! Der Herbst ist auch meine Lieblingsjahreszeit und gleichzeitig strahlt er natürlich auch viel Vergänglichkeit und Melancholie aus, die dann in den trüben Winter mündet – aber wir dürfen nie vergessen: es sind Wellen. Sie kommen, sie gehen – mit Sicherheit. Ich wünsche uns, dass wir gut durch diesen und alle kommenden Winter kommen, innen, wie außen. Fühl dich gedrückt!

  6. AVEC QUATRE says:

    Liebe Kea,

    ich danke für diesen unheimlich berührenden und ehrlichen Beitrag. Es zeugt von großer Stärke, wie du dich hier nackt vor uns stellst und aufklärst über dieses unheimlich wichtige Thema. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass oft das Verständnis fehlt, für all das, was nun einmal mit dieser Krankheit einhergeht.

    Liebste Grüße du wundervolle Poetin
    Rebecca

    1. kea kea says:

      Ich danke dir, liebe Rebecca ❤️.
      Ihr macht diesen Raum, in dem ich mich so öffnen kann, ja erst möglich. Ich danke euch unendlich für all euren support, eure lieben Worte und die Liebe, mit der ihr hier immer wieder lest, kommentiert, Verständnis habt. Das ist ein Geschenk und mich zu öffnen, ist mein Dank dafür!

  7. Anna-Lena says:

    Ein berührender Text, offen, schonungslos und hilfreich für diejenigen, sie es betrifft und die ihn unbedingt lesen sollten. Aber auch für mich, die Depressionen und Angstattaken hinter sich hat, hilfreich.

    Ich wünsche dir Kraft, Ausdauer und Besserung,
    Anna-Lena

    1. kea kea says:

      Danke, dass du dich zu Wort meldest, Anna-Lena! Wie besonders schön für alle Betroffenen, hier von jemandem zu lesen, der diese grauen BegleiterInnen als Geister der Vergangenheit bezeichnen kann! ❤️❤️❤️

      Vielen, herzlichen Dank für deine lieben Wünsche!!! Eure Kommentare sind so wohltuend und kraftspendend!

  8. Proserpina says:

    Hi 🙂

    Ich finde den Text wundervoll – und danke dir für die offenen und ehrlichen Worte. Ich bin selbst betroffen und weiss, wie schwer der Alltag sein kann; und ich weiss auch, wie wenig Verständnis man manchmal findet… Auch ich möchte mit meinem Blog das Thema Depression den Menschen näher bringen. Es darf nicht länger ein Tabuthema bleiben.

    Ich wünsche dir alles alles Gute für die Zukunft und viel Kraft 🙂

    Liebe Grüsse

    1. kea kea says:

      Oh, so liebe Worte  – ich danke dir! Auch ganz besonders dafür, dass du das Thema ebenfalls auf die Agenda setzt, um für mehr Verständnis und die Enttabuisierung zu kämpfen! Solche Menschen brauchen wir ❤️. Damit können wir dieser Erfahrung zu einer Bereicherung für andere werden lassen.

      Ich schicke liebe und zuversichtliche Grüße an dich!
      Kea

  9. Annh says:

    Wow, wirklich ein berührender und ehrlicher Text. Ich habe häufig das Gefühl in eine Art Depression abzurutschen, ich erkenne sie jedoch nicht richtig und rede sie mir auch meist klein. Denn so schnell diese Phase kommt verschwindet sie auch meist wieder. Wenn ich dann aber solche Texte von Betroffenen lese, merke ich wie sehr ich mich darin wieder finde.
    Das ist irgendwie beängstigend. Danke jedenfalls dass du deine Gedanken und Gefühle hier teilst und alles so offen kommunizierst, das macht verunsicherten Menschen wie mir extrem Mut und gibt mir das Gefühl nicht so merkwürdig zu sein, wie ich mir selbst oft vorkomme.

    Danke noch mal, sonst habe ich immer sehr still gelesen, aber es musste jetzt mal raus.

    Liebe Grüße!

    1. kea kea says:

      Wie schön, dass du Mut aus meinem Text ziehen kannst – das bedeutet mir wirklich viel! Und vielen vielen Dank, dass du dich hier ebenso öffnest und von deinem Gefühl erzählst, denn ich glaube, das kennen viele Menschen da draußen. „Ist doch nicht so schlimm“, sagen sich viele. Oder, dass sie dem Klischee des Depressiven, der nicht aus dem Bett kommt, ja gar nicht entsprechen. Dabei gibt es nicht DAS Gesicht der Depression. Im Zweifelsfall kann sicher das Gespräch mit einem Arzt oder Therapeuten, im wahrsten Sinne des Wortes, Licht ins Dunkel bringen.
      Ob nun eine Diagnose gestellt wird, oder nicht – sich verstanden zu fühlen, kann so viel Kraft geben, deshalb teile ich diese sehr persönlichen Erfahrungen hier mit euch. Und Kommentare wie deiner bestätigen mich darin, dass das gut und wichtig und richtig ist. Ich wünsche dir alles Liebe und viel Sonne für dein Herz!

  10. Paul says:

    Kea, danke für deinen Mut. In deinen Worten hat selbst die Depression noch etwas Poetisches. Und ich hab erschreckend viele Parallelen entdeckt ;): die Dreifaltigkeit, den TedTalk, die Morgenduschen und das Home Office. Ich wünsche dir, dass dir das Leben bald wieder einen Sonnencocktail reicht. Alles Liebe, Paul

    1. kea kea says:

      Ach Paul, das ist ein zuckersüßes Kompliment – Danke! 🙂
      Ich glaube, unter den Schreibenden der Welt sind die Tiefen der menschlichen Gefühls-Skala sehr vielen bekannt. Schließlich schöpfen wir auch unserer Kreativität aus dieser ausgeprägten Sensibilität. Trotzdem dürfen wir uns erlauben, fröhlich und ausgelassen zu sein. Und genau das wünsche ich uns! Am Schreibtisch, unter der Dusche, im Wald – überall!
      Liebe Grüße an dich!

  11. Griselda Kahn says:

    Ja, das mit dem Duschen kenne ich auch. Ich komme mir dann so albern vor. Du findest die Worte, um die Zustände der Depression gut zu beschreiben. Und es ist so, die Depression zwingt einen, in die Tiefe und die Abgründe zu gehen. Sich den verborgenen, unterdrückten Gefühlen auszusetzen. Nur so kann Heilung stattfinden. Es ist viel Arbeit und es erfordert Zeit und Ruhe, die man sich in der heutigen Zeit schwer erkämpfen muss. Vielen Dank für deine Offenheit und dein Vermögen, die Zustände der Depression zu beschreiben. Ganz liebe Grüße!

    1. kea kea says:

      Das kenne ich – nicht selten fängt man dann im Tief auch noch an, sich dafür zu beschimpfen, dass man die einfachsten Dinge nicht mehr geregelt bekommt. Was natürlich selten zu irgendeiner Verbesserung beiträgt – es ist nicht leicht, in diesen Zeiten liebevoll zu sich zu sein, dabei brauchen wir doch die Selbstfürsorge gerade DANN besonders. Ja, das stimmt… die Zeiten sind irrsinnig schnelllebig geworden, Smartphone & Co bringen uns beständig weg von uns selbst. Dann bleiben Wunden unbehandelt und eitern im übertragenen Sinne in unserer Seele – denn egal, wie wir uns betäuben, an den alten Verletzungen ändert das ja leider nichts. Danke, dass ich euch als ebenfalls Betroffenen so aus der Seele sprechen kann. Ich hoffe, dass wir mit diesem Austausch Verständnis und Akzeptanz dieser Krankheit weiter vorantreiben ♥

  12. Britta says:

    DANKE für diesen ehrlichen Text! ♥
    Mir geht es seit etwas über 9 Monaten auch so…
    Ich habe Angst, dass „sie“ am Ende stärker ist als ich.

    1. kea kea says:

      Liebe Britta –
      9 Monate sind sehr lang. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie belastend das sein muss, so lange am Stück eine depressive Episode zu haben, meine Intervalle sind deutlich kürzer.
      Meinen Respekt, dass du es schaffst – denn du bist noch hier und das ist gut so! Mir haben diese Worte des Therapeuten in dem Video so viel Mut gemacht, vielleicht kann ich dir ein klein wenig davon abgeben: Ich dachte auch lange, dass die Depression „einfach so“ über mich kam, zumal ich erblich wirklich im Höchstmaß vorbelastet bin. Das hat mich oft mutlos in die Zukunft blicken lassen. Aber wenn es so ist, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen der Authentizität, mit der wir uns trauen, unser Leben zu leben und zu gestalten und den Depressionen als Gradmesser dazu – dann kann es doch Hoffnung geben! Vielleicht kann das auch ein Denkanstoß für dich sein: Wo fühlt sich dein Leben nicht so an, wie es sich dein Herz wirklich wünscht?
      Hast du professionelle Hilfe? Man muss das nicht alleine schaffen! Ich drück dich fest und bitte dich, dir Hilfe zu suchen, wenn du das Gefühl hast, dass es nicht mehr geht. Ob Telefonseelsorge, psychatrischer Notdienst oder einfach ein Anruf bei lieben Menschen, die mit dir die nächsten Schritte in Angriff nehmen.
      Keine Nacht dauert ewig!
      Vertrau darauf! Alles Liebe für dich! ♥♥♥

      1. Britta says:

        Liebe Kea,
        danke für deine Worte, das hat mir viel gegeben.♥
        Ich habe aktuell gute Tage, aber auch wieder ganz schlechte Tage, an denen ich mich zwingen muss überhaupt aufzustehen. Seit Januar habe ich auch prof. Hilfe; dort mache ich 2 Schritte vorwärts, dann wieder 1 Schritt zurück, so geht das mit der Zeit langsam bergauf.

  13. Wanda says:

    Liebe Kea,
    ich hab mich nun endlich getraut deinen Blogbeitrag zu lesen. Irgendwie hatte ich Angst davor – vermutlich deshalb, weil es mir ähnlich geht wie dir. Ich abe 2 anstrengende Jahre hinter mir, war kurz davor das Studium abzubrechen, beziehungsweise alles sein zu lassen. Denn warum das ganze ? Für was ?..
    ich bin froh es nicht getan zu haben. Inzwischen handhabe ich das ganze wohl so wie du. Wenn ich merke dass ich raum brauche, gebe ich mir diesen. Das funktioniert recht gut und irgendwie hab ich auch akzeptiert dass dieser dunkle Teil einfach zu mir gehört, dass ich auch das bin.
    Allerdings hab ich auch gelernt Freude und Glück nicht als gegeben zu nehmen und auch habe ich angefangen mich anderen gegenüber feinfühliger und verständlicher zu verhalten. Jeder trägt seine kleinen Laster und ich denke das versteht am ehesten jemand der selbst mal weit unten war, und sich alleine wieder hochboxen musste. Ich bin stolz auf dich, darauf dass du so offen darüber redest und darauf dass du so stark und vorallem du du bist!
    Und du darfst auch verdammt stolz auf dich sein ❤️

  14. Alice says:

    Liebe Kea,
    auch bei einem Interview hast du gesagt, dass man dort hingehen soll, wo der Schmerz ist. Als ich das gelesen habe hat es mich wie elektrisiert, da es genau in der Zeit die Antwort auf eine unausgesprochene, mich quälende Frage war.
    Ich bin psychiatrische Krankenschwester und ich weiß, dass alles, was wir zudecken nicht etwa weggeht, sondern sich seinen Weg bahnen wird, um dann in anderer Form wieder aufzutauchen. Ich denke, dass alles in allen von uns ist (dass wir so gesehen eins sind. darum kann ich auch verstehen), nur verschieden stark ausgeprägt, abhängig von unseren Erlebnissen und unserer Konstitution.
    Liebe Kea, ich wünsche dir gute Hilfe beim dir selber helfen! Das brauchen wir alle, zumindest würde es uns allen gut tun! Das, was du hier tust ist so hilfreich! Sinn- und wertvoll!
    Alles Liebe!

  15. Sieben von Zwölf: Das Monthly Sum Up im Juli | Helle Flecken says:

    […] diesen unheimlich wichtigen Text von Kea, mit dem ich nicht bis zum nächsten Sum Up warten will: Wenn aus Tagen Nächte werden, ein ehrlicher und purer Post zum Leben mit […]

  16. Flo says:

    Für den Talk von Brené Brown wollte ich dir schon auf Facebook von Herzen danken, wenn ich jetzt eine nicht kunterbunte Phase habe, kann ich sie besser annehmen und als meine Gedanken akzeptieren, weil ich weiß, dass ich mir sonst auch meine anderen Gefühle einschränke.
    Danke, dass du immer so offen bist mit deinen Lesern und die richtigen Worte findest, das ist sehr sehr hilfreich.
    Alles Liebe zu dir,
    Flo

  17. Ines says:

    Viele Dank für Deine ehrlichen Worte. Es gehört wir ich finde viel Mut dazu offen über diese Krankheit zu schreiben… mich hat die Depression in meiner Jugend gefangen genommen. Die Folgen waren Essstörungen und ein Suizidversuch und ich habe es nie auf die Krankheit geschoben, sondern dachte immer ich bin falsch auf dieser Welt. Das ich den Suizidversuch überlebt habe (auch wenn ich mein Leben lang mit den Folgen Leben muss) ist ein Wunder und ich bin jeden Tag dankbar dafür, das ich lebe!! Auch wenn mich die Depression immer noch heimsuchen, sie werde schwächer und ich nenne sie beim Namen… ja sie sind da und ich gebe Ihnen Raum. Doch genau so wie du jeden Morgen die Entscheidung fällst, unter die Dusche und in den Wald zu gehen, entscheide ich mich jeden wundervollen Augenblick auszukosten, für das Leben für die Liebe und für meine positiveb Ziele!

  18. Mai says:

    Hallo Kea,
    ich finde deinen Text wirklich toll – obwohl sich das so abgedroschen anhört. Ich habe keine eigene Erfahrung mit Depressionen gehabt und ich glaube, dass das für Menschen, die selbst keine Erfahrung mit Depressionen haben, unter anderem sehr schwer ist, nachzuvollziehen, was es bedeutet, Depressionen zu haben.
    Dein Text veranschaulicht das sehr gut, ohne plump zu wirken. Ohne einseitig zu wirken und es verständlich darzustellen. Du kannst es gut vermitteln und manchmal fehlt das. Enttabuisieren ist das Eine, es nicht zu stigmatisieren ist das Andere. Und ich denke, dass dein Text dabei hilft, es nicht zu stigmatisieren und es auch als Nicht-Betroffenen als etwas annimmt, das man nicht mit leichten Floskeln abtun kann und soll.
    Ich wünsche dir und deinen Lesern hier viel Gutes!

  19. Batya says:

    Liebe Kea,
    ich habe tatsächlich ein paar Stunden gebraucht, um mich von deinem Text zu erholen, so sehr hat er mich berührt. Ich lebe selber seit Jahren mit einer Essstörung und Depressionen, die sich im vergangenen Jahr sehr viel mehr Raum genommen haben. Meiner Meinung nach hast du mit deinen Worten präzise beschrieben, wie ich und sicherlich noch viele andere Betroffene sich fühlen.

    Bis vor einem Jahr habe ich selbst noch geschrieben, nun aber frisst diese dunkle Gestalt vieles von dem weg, was mich eigentlich ausmacht. Auch finde ich sehr treffend beschrieben, wie deiner Meinung nach die Depression, oder wie man es letztendlich nennen mag, schon länger in einem gelebt hat und sich durch andere Symptomatiken einen Weg an die Oberfläche gesucht hat. Diese dann zu spüren tun unendlich weh.

    Dein Text hat mich zum weinen gebracht, aber ich bin froh, ihn gelesen zu haben und mich ein Stückchen weniger einsam zu fühlen.
    Vielen Dank und alles erdenklich Gute für deine Zukunft!

  20. Mein erster Gedichtband ist da – Poetische Zeiten – Kea schreibt – Lyrik & Text Blog says:

    […] Texte veröffentlicht: Über mein Leben mit einer Angst- und Panikstörung, über meine depressiven Phasen und auch immer wieder über Liebe und Selbstliebe. Wie es sich angefühlt hat, sich der Welt so […]

Leave a comment

Your email address will not be published.