Kann denn Bloggen Kunst sein?

Eigentlich sollte ich meinen Abwasch erledigen, aber meine Gedanken laufen Sturm heute Morgen. Sie haben nämlich eine Menge Gedankenfutter bekommen in letzter Zeit und all die Puzzleteile setzen sich jetzt plötzlich zu einem Bild zusammen. Denn Hand aufs Herz: Warum bloggen wir? Weil wir der Welt etwas wichtiges zu sagen haben? Oder weil es das Belohnungszentrum in unserem Gehirn aktiviert, wenn wir Kommentare und Likes im Minutentakt absahnen? Über den Drang nach Bestätigung schreibt Natalie Mayroth im Daily Bread Magazin, dem Blogger-Hirnschmalz-Destillat der Blogfabrik Berlin. Darin geht es um die Selbstdarstellungssucht, jene geheime Kraft, die viele von uns – und da nehme ich mich nicht aus – antreibt, zu bloggen, zu hashtaggen, eigenen Content zu produzieren. Natalie schreibt: „ Das Internet ist zur persönlichen Bühne geworden. Der Suchtfaktor bezieht sich auf das gewachsene Bedürfnis junger Menschen, sich täglich auf mehreren Plattformen zu zeigen und zu äußern. Joseph Beuys Worte scheinen sich erfüllt zu haben: „Jeder Mensch ist ein Künstler.“

Das Beuys Zitat erinnert  mich an die so gar nicht mainstreamige Frage von twocreatedetails, die anlässlich meiner Homestory von mir wissen wollten, ob Wohnen Kunst sein kann. Ich habe unter anderem geantwortet, dass man dafür erstmal Kunst für sich definieren muss. Das tut sicher jeder anders. Ich habe es für mich so formuliert: „Für mich bedeutet Kunst, etwas Neues zu schaffen, etwas Berührendes, zuweilen Provokantes, ein Werk mit einem einzigartigen Zauber. Und eine unverwechselbare Eigenheit, das ist für mich einer der Parameter, die Kunst definieren.“
Im Interior Bereich gibt es in meinen Augen also durchaus echte Kunstwerke – aber auch sehr viel kopierten Mainstream, der diese Kriterien nicht erfüllt. Mich hat diese Frage beschäftigt und ich gehe noch weiter und überlege, ob bloggen generell Kunst sein kann? Denn nur, weil wir dank des digitalen Zeitalters alle zu potentiellen Content Producern geworden sind, bedeutet das ja nicht im gleichen Atemzug, dass wir alle auch Kunst produzieren. Früher war zum Beispiel die Fotografie, die ja ein wichtiger Teil des Bloggens geworden ist, mit exklusivem Fachwissen verbunden, das nur Eingeweihten zugänglich war. Das Equipment war teuer, die Entwicklung in der Dunkelkammer vor Laienaugen verborgen. Heute kann man selbst mit der Programmautomatik leidlich gute Bilder erstellen.

Und inhaltlich, wie sieht es inhaltlich aus? Kunst muss nicht gefällig sein, im Gegenteil, sie ist im ersten Moment oft unbequem, schockierend, gibt Anlass zur Diskussion. Die Bloggerwelt hingegen erscheint mir oft weichgespült, gleichgeschaltet, ohne Ecken und Kanten. Da wird lieber auf alt Bewährtes gesetzt, das auch noch mehr oder weniger liebevoll kopiert gute Klickzahlen garantiert, statt etwas Mutiges, Anderes zu wagen. Aber wer immer mit einem Blick auf die Statistik schielt, dem fehlt eben auch einfach ein Stück freie Sicht.

Ich ertappe mich dabei, dass ich mich über mich selbst ärgere, weil ich auch einer von Ihnen geworden bin, ein kleiner Like-Junkie, ein Aufmerksamkeitssuchtie. Und ich muss an ein Gespräch denken, das ich vor bald 2 Jahren mit einem befreundeten Fotografen führte. Darüber, ob wir gestalten, um etwas zu verkaufen oder ob wir nicht einfach unsere Kunst machen sollten und zwar so lange, bis es irgendjemand kauft. Obwohl wir uns bei der Arbeit für ein Stadtmagazin kennenlernten und man unsere gemeinsamen Reportagen über das örtliche Tierheim und die besten Flohmärkte der Stadt vielleicht nicht unbedingt im MOMA ausstellen würde, waren zumindest seine Arbeiten in meinen Augen absolut Kunst. Die Bilder, die er abseits der Zeitungsprojekte machte, waren kein Mainstream. Sie waren manchmal verstörend, skurril, immer sehr expressiv. Er schuf diese Motive, zumindest kam es mir so vor, nicht, weil er es „irgendwie schick“ fand, er tat es aus einem inneren Drang heraus, einem Trieb, einem inneren Bild, das er mit seiner Kamera ins Außen projizierte und für uns sichtbar machte.

Ja, wie wäre die Bloggerwelt, wenn wir nicht nach außen schauen würden, um unseren Content zu produzieren, sondern nach Innen? Und, Ja, die Frage ist gestattet: Ist da überhaupt was?!

Vielleicht, wenn wir uns einen Moment Ruhe gönnen. Vielleicht, wenn wir mal in uns lauschen, so lange, bis da etwas kommt. Es sind doch zwei Paar Schuhe, ob ich mich tagtäglich berieseln lasse von dem, was die meisten als schön empfinden. Oder ob ich mir einfach mal erlaube, die Stille zuzulassen, die Flut an Reizen zu unterbrechen und zu schauen, was aus mir selbst heraus entsteht. Ganz wunderbar hat das auch Margret Rasfeld bei meinem ersten Salon Mondaine in Berlin uns Zuhörerinnen ans Herz gelegt: Traut euch, Leere zuzulassen! Denn im scheinbaren Nichtstun entstehen neue Themen und neue Kreativität, entsteht Einzigartigkeit.

Stellt euch mal vor, die Blogosphäre würde für eine komplette Woche den Atem anhalten! Völlige Stille auf allen social media Kanälen. Kein Instagram, kein facebook, kein Pinterest. Rückzug und Innenschau. Ich wäre unendlich gespannt, zu sehen, was danach für Blogeinträge entstehen würden!

Vielleicht haben ja ein paar von euch Lust, sich auf dieses Wagnis einzulassen und einfach mal eine Woche digitalen Detox zu betreiben und nach 7 Tagen zu schauen, was da an Ideen in uns gewachsen ist? Ich würde mich freuen, zu hören, was euch jenseits der üblichen Social Media Kanäle aus eurem Inneren heraus inspiriert. Lasst mich wissen, ob ihr Lust habt, so ein Experiment zu starten, ich bin gespannt auf eure Rückmeldungen! Und schließe mit einem Zitat aus dem Daily Bread-Artikel, das diese Botschaft wunderbar auf den Punkt bringt: Blog to express not to impress!

17 Comments

  1. Ein wunderbarer Beitrag. Ich denke schon, dass Bloggen Kunst sein kann. Oder auch, dass Blogge ein medium ist, um Kunst zu transportieren und zu verbreiten – zum Beispiel durch DIYs oder Anleitungen.
    Viele Blogs, die ich lese, stellen kaum Produkte vor oder Rezepte oder DIY. Sie beschäftigen sich mit dem Wort an sich und oft sind die Texte auch literarisch ungalublich spannend und schön. Auch die Blogdesigns sind in meinen Augen oft Kunst. Klar gibt es da bestimmte Layouttypen, aber Kunst steckt dahingehend für mich im Detail.

    Ein Experiment, wie du es vorschlägst, klingt spannend. Aber ich glaube, dass alle Posts danach einfach Beschreibungen dessen sind, wie sich diese eine Woche Abstinenz angefühlt hat :P

    Liebe Grüße
    Alexandra

    1. Hallo Alexandra, Danke für deinen Kommentar! Ich wäre ja für einige deiner Tips für literarische Blogs überaus dankbar, da ich dieses Feld (zumindest auf meinem Blog) ja erst ganz kurz entdeckt habe – wenn du magst, schick mir sehr gerne deine Lieblinge an mail@hello-mrs-eve.de :) Ich musste breit schmunzeln, wahrscheinlich hast du recht und viele würden die Auszeit zum Thema machen – ich habe selbst neulich über eine Woche nichts gebloggt und nun doch einige Artikel für hello mrs eve und thirtyplus vorgeschrieben, die angenehm aus der Reihe tanzen und für die ich sonst vielleicht keine Zeit und/oder Muße gehabt hätte. Vielleicht finden sich ja doch ein paar Bloggerinnen, die das Experiment zusammen wagen wollen, ich würd mich freuen! Liebe Grüße! Kea

  2. Schön geschrieben, wirklich! Außerdem bringst du mich damit wirklich zum Nachdenken. Du hast schon recht damit, dass viele von uns immer nur auf die Statistik blicken und man dann das Gefühl hat, dass jeder Beitrag noch besser sein muss als der vorige. Was wäre wohl, wenn wir anstatt jeden Tag ins Handy zu schauen, unsere Umwelt beobachten würden und wie würden sich dann unsere Beiträge verändern? Wirklich interessant, darüber nachzudenken :)

    Liebe Grüße aus Innsbruck

    1. Liebe Ornella, wie toll! Es freut mich sehr, dass ich dich zum Nachdenken anregen konnte. Ich habe ja selbst fast ein ganzes Jahr lang ausschließlich über Interior Design gebloggt und natürlich war ich auch fasziniert von der Entwicklung der Klickzahlen und kenne das Gefühl sehr gut, das du da beschreibst, dass mit dem Wachstum auch der Wunsch nach noch mehr Produktivität, Likeability und Erfolgsdruck an die Tür klopfen. Ich versuche ja nun, die Beobachtung meiner Umwelt, die du ansprichst, hier in meinen Text-Beiträgen und auf meinem Zweitblog thirtyplus zu verbloggen und muss sagen: Es fühlt sich unheimlich sinnstiftend an und tut einfach so gut! Ich finde die Mischung deiner Themen auf deinem Blog übrigens sehr schön und hoffe, du kannst auch zukünftig einfach aus deiner Begeisterung heraus über das bloggen, das dir am Herzen liegt und die Statistik einfach auch mal vergessen :) Liebe Grüße von Berlin nach Österreich! Kea

  3. Ein wundervoller Post! Großen Dank an dich!
    Ja, Bloggen kann Kunst sein – muss aber nicht. Es liegt immer im Auge des Betrachters.
    Und mit deinen Worten sprichst du mir aus der Seele und aus dem Inspirations-Post, den ich am Sonntag veröffentlicht habe: http://eclectichamilton.blogspot.de/2015/11/sunday-inspiration-no21.html
    Ein Aufruf zur Individualität und gegen den Mainstream, der sich durch so viele Blogs zieht.
    Aber ganz ehrlich: eine Woche ohne Bloggen und Social Life, das könnte ich nicht (die Sucht spricht aus mir). Obwohl ich auf das Endergebnis sehr gespannt wäre. Meine besten und kreativsten Ideen entstehen immer nur offline. Das sollte zu denken geben!

    Greetings & Love
    Ines

    1. Liebe Ines, sehr sehr gerne! Du hast recht, Kunst liegt absolut im Auge des Betrachters, was für den einen ein inspirierendes Werk ist, ist einem anderen völlig unbedeutsam. Aber Kunst macht wohl aus, dass ihr genau das egal ist – sie entsteht einfach aus sich heraus, sie will nicht gefallen. Aber manchmal tut sie es eben einfach trotzdem :) Ich finde deinen sunday inspiration post ganz wunderbar! Ich stimme dir absolut zu: Und wenn das “be a voice not an echo”-Bild in jeder Wohnung auf dem Planeten hängt – solange es auch nur einem Menschen dabei hilft, seine eigene Stimme zu finden, dann hat es sich schon gelohnt! Thehe, ich sehe schon, wir müssen dich noch ein bißchen kitzeln. Ganz ehrlich? Eine Woche komplett ohne social media, ich finds auch erstmals etwas beängstigend – was per se schon besorgniserregend sein sollte :D Aber vielleicht finden sich ja doch ein paar von uns zusammen! Ich fänds so spannend!! Und wenn du sagst, dass du offline viel kreativer und entdeckungsfreudiger bist, umso besser! Du wärst eine perfekte Kandidatin :) Liebe Grüße! Kea

  4. Hallo Kea, ich guck ja immer mal rein hier bei dir, ich mag deinen Stil. ☺
    Hier meine Gedanken. Vielleicht sollte man sich auch fragen ob es immer Kunst sein muss.☺ Ich finde es schade, das oft nur noch abgekupfert wird um möglich häufig zu bloggen. Quantität statt Qualität Alles muss genau so perfekt sein wie bei xy die schon seit 7 Jahren erfolgreich bloggt, Seo optimiert, durch irgednwelche Bearbeitungsprogramme gejagt weil man ja alles irgendwie nachher bearbeiten kann , anstatt sich vorher mit dem Ding zu befassen und so zu fotografieren wie es is, ich bearbeite zum beispiel nicht. Vielleicht mach ich bissl heller und schneid was ab aber ich bin doch kein Fotograf.
    Ich kann doch nicht die Bude schön machen, im Idealfall noch selbst schön sein, gut schreiben, Social Media Held sein und dann och bitte schön meinen Blog selbst erstellen, nebenbei hau ich alle 3 Tage n Mega Diy raus und teile es auf allen Kanälen. In Perfektion. Woher soll ich das denn bitte alles können?
    Ich mach das alles von jedem n bisschen, so wie es eben geht für den Laien, ohne mich zu stressen, ich schreibe den Text wie es gerade gehört ohne die Überschrift zu optimieren und ihr den Witz zu nehmen. Vielleicht sollte man auch einfach nicht auf allen Hochzeiten tanzen. Social Media bis zum excess. Leider wird man dann nicht der erfolgreichste Blogger, wenn man sich auf weniger beschränkt -ich bediene nur Facebook und das erst seit Juli,- vielleicht aber der glücklichere.☺Man sollte einfach schauen wo man hin will und am besten ausnahmsweise mal nicht nach links und rechts. Will man allerdings schnell bekannt werden, dann sollte man zuerst nach links und rechts schauen und dementsprechend handeln und zum Ziel manipulieren, das kann das Internet ja auch. Auch das ist völlig in Ordnung und jeder wird seinen Platz auf diesem großen Spielplatz finden. Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Erfolg aber noch mehr Freude dabei. ☺Liebe Grüße zu dir, Alex

    1. Hallo Alex, ich weiß nicht, ob du meinen Schreib- oder Wohnstil magst, freu mich aber über beides :) Wie recht du hast, mit den fantasielosen SEO-optimierten Überschriften! Ist es nicht ein Frevel, wenn Wortwitz zugunsten von Suchmaschinengeschmäckern verloren geht? Du klingst so entspannt und froh mit deinem Blog, wie wunderbar! Dass du dir nicht den Streß machst, höher, schneller, weiter vorwärts zu kommen. Ich war da in den letzten Monaten auf einen Zug aufgesprungen, von dem ich in den vergangenen Wochen bemerkte: Der fährt ja zu einem Zielbahnhof, an dem ich gar nicht aussteigen will :) Danke, dass du deine Erfahrungen hier so offen mit uns teilst und schön, zu lesen, dass meine Vermutung richtig ist, dass Sinn und Freude am Bloggen nicht zwingend viel mit Statistik zu tun haben müssen. Liebe Grüße an dich zurück! Kea

  5. Hallo!
    Das ist ein spannender Beitrag für mich als Blogger-Neuling. Ich wage es mal, mich so zu bezeichnen, denn ich habe meinen Blog Ende August 2015 begonnen und am 12. September veröffentlicht.

    Meine Intention war ein temporäres Reisetagebuch zu schreiben und dieses meiner Familie und meinen Freunden zu präsentieren. Mit fast 40 Jahren habe ich mir einen Lebenstraum erfüllt und meinen Motorrad-Führerschein gemacht. Da in meinem Umfeld die Angst vor Unfällen vorherrschte, lies ich sie also an den schönen Seiten meines neuen Lebens teilhaben.

    Likes und Kommentare aus aller Welt bestätigten mir, dass es Leser gibt. Und das wo ich nicht einmal auf allen Socialmedia-Kanälen unterwegs bin. Ich habe mein Facebook und bin dort Mitglied in einigen Gruppen. Das war’s.

    Meine Beiträge entwickeln sich aus den Momenten des Lebens. Ich schreibe sie einfach nur auf. Mit Glück lichte ich sie ab. Von daher lebe ich schon ein wenig diese “7-Tage-Offline”-Inspiration. Ich fühle mich nicht gehetzt, sondern habe Vertrauen, dass das Leben mir das liefert, was ich brauche. Zum Glück liefert es genug, um den kommenden Winter zu überbrücken, denn hier werde ich ja keine Motorrad-Abenteuer erleben. Also legen ich schon ein paar Gedanken “auf Lager”.

    Vielleicht liegt das auch am Blog-Thema. Ich schreibe mein (Reise-)Tagebuch und teile dies. Die lustigen und fröhlichen und nervigen und qualvollen Momente aus dem speziellen Teil meines Lebens, ohne den Leser mit meiner Privatsphäre zu überschütten.

    Wie wäre es, wenn es keine Likes von Fremden gäbe? Nun ja, ich würde es genauso machen. Für mich und meine Freunde. Denn ich will schreiben, fotografieren und leben. Das Blogger-Drumherum streichelt angenehm meine Eitelkeit ;-)

    Ganz liebe Grüße und danke für diesen Bericht, der zur rechten Zeit kommt.

    Polly (Pollys Reisen)

    1. Ach Polly, ganz ehrlich: So solls doch sein, oder? Ich mag besonders deinen Satz: ” Ich fühle mich nicht gehetzt, sondern habe Vertrauen, dass das Leben mir das liefert, was ich brauche. ” Ich glaube ja auch irgendwie, dass gerade aus so einem tiefen Vertrauen, aus so einem inneren Zustand der Ruhe gerade ganz besondere Beiträge entstehen können, die die Menschen so viel mehr berühren, als ein hektisch heruntergeschriebener ich-muss-heute-noch-posten-Artikel. Und deine Motivation, zu bloggen, ist ja auch eine ganz Besondere: Deine Leidenschaft deinem Umfeld näher bringen und Ängste und Sorgen vermindern. Du hast das süß formuliert, dass das Blogger-Drumherum angenehm deine Eitelkeit streichelt :D ich glaub, das ist eine sehr gute Grundeinstellung – es als nettes Extrazuckerl zu sehen, aber nicht als Selbstzweck :) Liebe Grüße!

  6. Wahre Worte! Wunderbar wahre und klare Worte.
    Danke dafür.
    Über dieses Thema habe ich mir vor Monaten auch schon viele Gedanken gemacht.
    Und das hat innerlich in mir viel verändert, so auch mein Blog.
    Mittlerweile weiß ich, ich bin keine Bloggerin. Ich möchte schreiben. Mehr nicht.
    Wenn es jemand liest, gut – wenn nicht, auch gut. Die Worte sind sowieso da. Sie müssen einfach raus. Klar möchte ich Menschen mit Worten, mit Kunst erreichen, aber ich schreibe nicht mehr für die Menschen, oder wegen der Menschen, vielmehr um der Worte wegen, die gesagt werden müssen, weil der Drang in mir so groß ist.

    Danke für Deinen Beitrag, er regt, einmal mehr, zum Nachdenken und Hinterfragen an.

    Eni

    1. Liebe Eni! Deine Worte treffen mich so dermaßen mitten ins Herz, gerade in dieser Zeit, wo ich so viel übers Bloggen und Schreiben nachdenke, das kann ich dir gar nicht sagen! Ich versuche ja derzeit den Spagat, irgendwie beides auf hello-mrs-eve zu integrieren und bin gespannt, wie das Experiment laufen wird. Habe natüüürlich bei dir reingeschaut und viele schöne Worte entdeckt, die mich berührt haben. Ich kenne vieles, was du beschreibst, aus meinem Kopf und das Schreiben ist so eine wunderbare Art, es zu teilen! Dein Kommentar bestärkt mich, wieder mehr und mehr zu meinen “Wurzeln” als Schreiberin zurückzufinden, die sich so passend anfühlen wie warme, alteingelaufene Hausschuhe. Und er gibt mir den nötigen Wums, mich heute zu einem Writer Meetup zu begeben, auch wenn mir mächtig die Düse geht deswegen! Danke dir!!! Liebe Grüße, Kea

      1. Du Liebe, ich bin gespannt, auf das was da kommt bei Dir!
        Ich mag Deine Art zu schreiben. Sehr! Und ich bin mir sicher, dass ganz wunderbare Sachen aus Deinem Kopf hier auf den Blog taumeln. Worte sind etwas wunderbares. Ich bin gespannt auf die Deinen!
        Und ich wünsch Dir einen ganz wunderbaren, aufregenden und anregenden Abend! Das wird gut! Bestimmt!

        Hab dank für Deine Worte, das vorbeischauen und Gedanken teilen.
        Liebe Grüße, Eni

  7. Liebe Kea,
    Kunst kann durchaus beim Bloggen entstehen, davon bin ich überzeugt, doch das entscheidet jeder Leser für sich selbst. Schließlich müssen Stil oder Art des Beitrags/Blogs zusammenpassen und jeder entwickelt da seine eigenen Vorlieben. Auch spiegelt oft ein Teil von einem Selbst in den Bloggern, denen man folgt, wieder; oder einfach nur das Verlangen, so möchte ich auch gerne sein. Ich verbinde mit Kunst etwas, dass ich bewundere oder was mich berührt. Somit kann ein Blog und deren Inhalt dies sehr wohl wiedergeben. Ich finde das schön und inspirierend! Und für das bin ich dankbar, die Bloggerwelt für mich entdeckt zu haben.

    Dennoch denke ich, dass eigene Selbstkritik und der hohe Anspruch an gutem Blogcontent gerade Bloggerneulinge irritieren kann. Mir selbst ist es so ergangen. Ich bin vorher nie einem Blog gefolgt, kannte Blogs nur durchs Googeln von DIYs und dergleichen. Plötzlich entschloss ich mich, selbst einen Blog zu beginnen, über meine kleinen Kreativprojekte und auch größeren zu schreiben. Ich wollte gerne was wiedergeben. Also fing ich an… Zu anfangs lief es gut. Ich hatte einige Ideen und Projekte von denen ich berichtete. Keine Werbung über FB oder unter Freunden, und doch fanden mich langsam einige Leser, wurden Followers und mein Herz freute sich! Doch gleichzeitig interessierte ich mich für andere Blogs, fing selbst an zu folgen und plötzlich nach links und rechts zu schauen. Es irritierte mich wohl so sehr, dass ich nach einem halben Jahr bloggen in eine kleine Selbstblockade rutschte…Ideen waren da, Projekte auch, doch irgendwie traute ich mich nicht mehr, sie so zu posten, wie bisher. Plötzlich dachte ich, vielleicht sollte ich was ändern? Vielleicht ist es nicht interessant genug etc? All diese Fragen schwirrten in meinem Kopf… Um es kurz zu fassen, es machte mich innerlich traurig und unzufrieden, irgendwie dieser Bloggerwelt gerecht zu werden. Doch wollte ich das? Nein! Es hat leider gedauert, doch nun versuche ich wieder da weiterzumachen, wo ich begann. Klar habe ich Ziele und wünsche mir Erfolg. Wünsche mir Kommentare, um durch Feedback zu lernen und um auch Selbstbestätigung zu erhalten. Auch ich brauche ein Schulterklopfen von Zeit zu Zeit. :)

    Wir sollten uns nur dabei nicht selbst verlieren, wenn unser Herz was anderes sagt. Denn unser Inneres leitet uns durchs Leben, davon bin ich fest überzeugt. Und auch wenn der Weg länger ist, oder einfach mit vielen Kurven verfasst ist, kommen wir doch ans Ziel. Und manchmal ist es überraschenderweise ein anderes als geplant. :D
    Du machst es richtig, Kea! Du läßt dein Herz sprechen, regst uns zum Nachdenken an und viele von uns merken, dass sie nicht alleine mit ihren ähnlichen Gedanken dar stehen. Danke dir dafür! Liebste sonnige Grüße, Nadine

    1. Liebe Nadine, vielen Dank fürs Erzählen deiner Blog-Geschichte! Wie schön, dass du wieder zu deinen Wurzeln zurückfindest und dich nicht vom eigenen Perfektionismus verrückt machen lässt. Irgendwie ging es mir ganz ähnlich, wie dir – einer Phase, in der ich sehr viel nach links und rechts schielte und an mir zweifelte, folgte dann wieder die Rückbesinnung auf mein eigenes Wirken. Dass wir Feedback und so liebe Kommentare (wie deine) trotzdem gerne haben, ist auch kein Verbrechen denke ich ;) Wenn du schreibst, dass wir auf unser Herz hören sollen, einfach lauschen, was es sagt und dem dann folgen, dann kann ich nur heftig nicken – und Danke dir sehr für deine immer so ermutigenden, bestärkenden Worte! Liebste Grüße! Kea

  8. »Die Bloggerwelt hingegen erscheint mir oft weichgespült, gleichgeschaltet, ohne Ecken und Kanten. Da wird lieber auf alt Bewährtes gesetzt, das auch noch mehr oder weniger liebevoll kopiert gute Klickzahlen garantiert, statt etwas Mutiges, Anderes zu wagen. Aber wer immer mit einem Blick auf die Statistik schielt, dem fehlt eben auch einfach ein Stück freie Sicht.« – Den Absatz finde ich so wichtig! (Den ersten Satz habe ich sogar einmal fast genauso vor einigen Jahren in ähnlicher Form aufgeschrieben.)
    Ich bin über das archiv/e-Magazin auf deinen Blog gestoßen, war noch nie hier und freue mich, dass ich in diesem Beitrag viele Ansätze finde, die mir in den letzten Jahren auch durch den Kopf gegangen sind. So eitel es sich anhört, den Sieben-Tage-Ansatz versuche ich seit dem Anfang meiner Zeit als Bloggerin durchzusetzen. Ganz ehrlich: hohe Klickzahlen generiert es (in meinem Falle) allerdings nicht. Aber mittlerweile interessiert mich dieser Teil des Bloggens auch nicht mehr so sehr. Es geht mir eher darum, ein eigenen, selbst kuratierten Ort zu haben, auf dem man Gedanken und Erfahrungen sammeln und ordnen kann. Und wenn sich darin noch jemand wiederfindet, macht mich das sehr glücklich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.