Kinderwunsch trotz Psychischer Erkrankung

Kinderwunsch trotz psychischer Erkrankung

“Erstmal werde ich stabiler und dann kann ich über Kinder nachdenken.” Diesen Gedanken hatte ich mit Anfang zwanzig. Eine gute Grundlage schaffen, gesünder werden, ausgeglichener und belastbarer sein – und dann könnte es losgehen. So war der Plan.

Jetzt bin ich 33. Und denke diesen Satz immer noch mantraartig vor mich hin. Während um mich herum gestrickte Söckchen und gehäkelte Mobiles meinen Instafeed überschwemmen, übe ich mich in – ja, in was eigentlich? Vernunft?  

Das Thema Kinderwunsch trotz psychischer Erkrankungen ruft einen Cocktail aus Hoffnung und Resignation in mir hervor, der mich schon viele Jahre begleitet. Heute will ich darüber schreiben, wie es sich anfühlt, wenn man zwischen zwei Polen hin- und hergerissen ist. Wenn sich nichts wirklich richtig anfühlt.

Mein zwanzigjähriges Ich war noch geduldig. Meine Eierstöcke fühlten sich frisch an, wie vom Wochenmarkt und das Erwachsenwerden war etwas, dem man erst noch in Ruhe entgegen reifen wollte. Zahlreiche Therapien, aber auch zahlreiche Krisen später muss ich erkennen:

Der mysteriöse Tag X, an dem ich mich für stabil und gesund genug halte, um zu versuchen, ein Kind zu bekommen – er kommt nicht.

Im Laufe meines Lebens habe ich das Thema Kinderwunsch in allen möglichen Facetten gedanklich durchgekaut. Angefangen bei dem Herzenswunsch und der selbstsicheren Aussage „klar, will ich mal Kinder.“ Das war damals, als Teenager, als ich die Zukunft hinaufblinzelte und darin eine Menge wunderbarer Dinge sah, die ganz sicher eintreten würden, wenn ich erstmal diese Ängste und meine emotionale Instabilität in den Griff bekommen haben würde. Dieser Glaube hielt eine Weile durch und ging dann nahtlos in eine durch uneingestandene Verzweiflung genährte Phase über, in der ich mir meine Kinderlosigkeit schön redete. Ich fand irre viele Argumente, die gegen Kinder sprachen. Ich will mich doch beruflich verwirklichen! Ein Künstlerdasein und Kinder, das passt nun wirklich nicht zusammen! Ich verdiene gar nicht genug für eine Familiengründung! Man ruiniert sich die Figur (ja, auch eine Feministin kann solche Gedanken haben)! Aber all diese, teilweise sicher auch berechtigten, Punkte konnten an einer Sache nichts ändern: dem Stich im Herzen, wenn die nächste Periode kam. Wenn ich einen Kinderwagen sah. Oder mir eine Freundin eröffnete, dass sie schwanger sei.

Während all dieser Zeiten ging ich brav in meine Therapien, machte mal kleine, mal große Fortschritte, übte, konfrontierte, meditierte und liebte mich selbst, mal mehr, mal weniger erfolgreich. So ungefähr ab meinem dreißigsten Geburtstag gab ich meinen eigenen Widerstand gegen meinen Kinderwunsch dann auf. Ich habe ihn. Ich spüre ihn. Er lässt sich nicht wegrationalisieren und mit ihm kommt eine Menge Schmerz mit auf den Tisch. Denn mein heutiges Ich hat durchaus seine guten Phasen, in denen Außenstehenden vielleicht nicht einmal auffallen würde, dass ich an psychischen Erkrankungen leide. An schlechten Tagen aber sind selbst meine Katzen eine Belastung für mich. Und das sind nur KATZEN.

Manchmal überkommt mich der Gedanke, ob ich es nicht einfach Anfang zwanzig hätte machen sollen. Denn mit dem Alter steigen meine Ängste. Ich weiß jetzt so viel mehr über mich, über das Leben, den Planeten, die menschliche Psyche, Geburtsvorgänge und Erziehungsfehler. Als Studentin wäre ich in dieses Abenteuer irgendwie hineingepurzelt. Und hätte es bestimmt gewuppt. Mittlerweile kann ich gar nicht mehr guten Gewissens von einem wachsenden Bauch träumen. Es sind schon zu viele Sorgen darin. 

Wenn ich über die genetische Komponente von Depressionsneigung nachdenke, zum Beispiel. Meine beiden Elternteile leiden an Depressionen und vor einiger Zeit habe ich meine Mutter einmal gefragt, ob meine Eltern denn nie darüber nachgedacht haben, ob sie diese Veranlagung meiner Schwester und mir mitgeben würden. Tatsächlich haben sie das nicht und natürlich muss es auch nicht zwangsweise so kommen – aber meine schwierige Kindheit hat wohl ihr übriges getan, um diese genetische Achillesferse zu aktivieren.

Und was, wenn das bei meinen potentiellen Kindern auch so wäre? Was, wenn ich eines Tages diese Traurigkeit in den Augen meines Nachwuchses entdecken würde oder mit ansehen müsste, wie sie eine ähnlich große Angst vorm Leben entwickeln, wie ich sie habe?

Ist ein Kinderwunsch trotz psychischer Erkrankung nicht total egoistisch? Aber halt – das ist er wohl immer. Angesichts der Lage der Welt muss man das ehrlicher Weise sagen. Verzichten tun aus ethischen Gründen aber die wenigsten. Unser Fortpflanzungstrieb ist eben eine verdammt archaische Sache. Und auch ich hätte vermutlich schon lange versucht, Mutter zu werden, wenn meine eigene Geschichte mich nicht derart hemmen würde.

Aber was, wenn wir die genetische Komponente einmal völlig außer acht lassen? Würde sich mein Verhalten trotzdem auf die Kinder übertragen würde? So sehr man sich bemüht, Gelassenheit auszustrahlen – sicher würde mir das auch nicht immer gelingen. Wie umgehen mit Panikattacke und Kind an der Hand? Was tun, wenn das Noro-Virus im Kindergarten grassiert? Meine Emetophobie (Angst vorm Erbrechen, mehr Infos dazu in meinem Artikel über meine Brechphobie) ist ein großer Aspekt, wenn es an das Kinderthema geht.

Fremde Kinder im Bus beäuge ich meist misstrauisch. Kindergartengruppen im Ausflugsmodus sehe ich als wandelnde Virenträger. Von möglicher Schwangerschaftsübelkeit mal ganz abgesehen!

6 bis 7% der Frauen in Deutschland sind laut ExpertInnen von Emetophobie betroffen. Drei Viertel davon vermeiden aus diesem Grund eine Schwangerschaft. Das ist eine beträchtliche Zahl!*

Die Angst, das eigene Kind im Krankheitsfall nicht versorgen zu können, treibt auch mich um. Ich kenne betroffene Mütter, die berichten, dass sich die Angst vorm Erbrechen durch ihren ängstlichen Umgang damit auch auf die Kinder überträgt. Auch hier gilt natürlich – kann, aber muss nicht!

Und so lebe ich weiter mit dieser Diskrepanz zwischen Gebärmutter auf der einen und dem Verstand auf der anderen Seite. Entfolge regelmäßig Frauen auf Instagram, sobald das erste Babybauch-Bild gepostet wird, weil ich es einfach nicht mehr ertragen kann. Natürlich sollte ich mich nicht vergleichen. Schließlich haben diese Frauen ganz andere Startvoraussetzungen ins Leben gehabt. Und natürlich ist es eigentlich ein Grund zur Freude, dass sie schwanger sind – wenngleich ich eine übertriebene Glorifizierung der Mutterschaft auch kritisch sehe, aber das ist ein ganz anderes Thema. Trotzdem treibt der Neid mir seinen giftigen Stachel ins Herz. Das sind schwierige Tage. Dann stehe ich manchmal mit einen Kissen unterm T-Shirt vorm Spiegel und frage mich, wie es wohl wäre, wenn… Vorfreude flutet meine Venen und die Zuversicht brüllt mir durchs Megaphon in die Ohren, dass ich das doch ganz bestimmt schaffen würde! Bis ich das Kissen wieder hervorhole, auf dem Sofa an seinen angestammten Platz lege und mir in Erinnerung rufe: Es geht eben nicht nur um mein Glück. Es geht auch um die Frage, ob ich glaube, einen guten Glücksgrundstein für das Leben eines anderen Menschen legen zu können. Klar, ich habe Unmengen an Liebe zu verschenken. Und mit ziemlicher Sicherheit wäre ich eine verständnisvolle und warmherzige Mutter. Aber bevor ich das vielleicht eines Tage sein kann, muss ich erstmal einen soliden Vertrauensgrundstein in mein eigenes Leben legen.

*Quelle und mehr zum Thema Emetophobie: https://de.wikipedia.org/wiki/Emetophobie

11 Comments

  1. Liebe Kea,

    ich habe zwei Kinder, keines war geplant, alle beide gewollt.
    Wirklich getraut hätte ich mich nie, also ganz aktiv zu sagen „Jetzt passt es. Ich bin fit in jederlei Hinsicht, die Lebensumstände sind günstig.“
    Es war auch nie nur annähernd perfekt, aber letztendlich wie immer im Leben: frau wurstelt sich so durch. Auch durch dunkle Phasen.
    Und ja, ich zweifle oft an mir, ob eine andere stabilere Mutter nicht besser wäre für meine Kinder. Aber letztendlich haben wir alle unsere Päckchen zu tragen, eine Erkrankung kann immer und jederzeit auftreten und auch unsere Kinder werden sich vermutlich durch dunklere Kindheitstage irgendwie durchwursteln.
    Nicht zuletzt wächst frau über sich hinaus, der Fokus verschiebt sich und häufig geschieht das Handeln vor dem Denken. (Wenn es zum Beispiel um Magen-Darm-Geschichten geht.)
    Und manchmal handele ich auch gar nicht oder scheiße, da gibt es dann zum Glück noch Menschen um mich herum, die das wieder rausreißen oder Eigenschaften mit denen ich das wett machen kann.

    Ich wünsche dir alles Gute und Gelassenheit in jedwede Richtung.

  2. Hallo Kea,
    ich habe gerade mit großem Interesse deinen Artikel gelesen und es rattert in mir: „Wie würde ich entscheiden?“ Ich bin nicht in der gleichen Situation und kann deswegen nur erahnen, wie du dich fühlst, aber ich habe eine Freundin, die in einer sehr heftigen Situation (beide Eltern starben bei einem Unfall) und mitten in einer sehr depressiven Phase, schwanger wurde. Durch dieses neue Leben, durch die Veränderung ihres Körpers und die Verantwortung für ein Kind hat sich alles bei ihr verändert. Sie sagte mal zu mir: „Das Kind (mittlerweile sind es zwei) hat mich gerettet!“
    Ich kann dir nur raten, schwanger zu werden. Der Zeitpunkt ist nie, niemals, perfekt. Und in schwierigen Situationen gibt es in deinem Umfeld bestimmt viele, viele Leute, die dir helfen würden. Rede mit Freunden und deiner Familie über Notfall-Pläne. Und ich versichere dir, auch Mütter ohne Depressionen u.ä. müssen Notfall-Pläne haben und sind auf helfende Hände angewiesen. Du bist nicht alleine. Und Kinder passen sich allen Situationen an. Sie lieben dich bedingungslos und für das was du bist. Du bist nicht nur deine Depression oder deine Angst. Das ist nicht das, was dich ausmacht.

    And by the way: Kinder kotzen höchst selten. Ich habe vier Kinder und hatte bisher, in 17 Jahren, nur zwei mal Situationen mit Kotze. Zudem bin ich Fulltime-Lehrerin und ständig von Bakterienschleudern umgeben und nie, nie krank.

    Hör auf deinen Bauch, schieb die Gedanken weg, es wird sich alles ergeben. Du kannst soviel weiter geben.

    Ich drück dich (auch unbekannter Weise) und wünsche dir Mut!

    Anni

  3. Dein Beitrag spricht mir aus dem Herzen – aber ich beziehe meine Zweifel eher auf die Welt und die Entwicklung, die ich darin sehe. Ob man ein Kind in eine WElt voller Hass, Abneigung, Vorurteile & Krieg gebären sollte. Was kann man dem Kind bieten, wenn man die Umstände nicht kontrollieren kann?

    Das sind zum Teil Dinge, in denen wir nicht drin stecken, die wir nicht lenken können. Und gerade diese Dinge machen uns Angst. Wir haben auch Depressionen in der Familie. Es gibt Phasen, in denen neige ich ebenfalls dazu, aber meistens fange ich mich, bevor das Loch kommt, in das ich fallen könnte.

    Wenn man so viel zu geben hat, sollte etwas, das man heute durchaus behandeln lassen kann, dich nicht von deinem Herzenswunsch abbringen.
    Du weißt nicht, ob dein Kind die gleiche Krankheit erbt. Oder ob es kerngesund ist.
    Ebenso wenig können wir beeinflussen, ob es vielleicht andere Krankheiten bekommen wird. Etwas, das unserer FAmilie ebenfalls zugestoßen ist. Die Tochter meines Cousins kam schwerbehindert auf die WElt – und meine Schwester trug durch einen Autounfall im Kindheitsalter eine geistige Behinderung davon.

    Dinge, die wir niemals lenken werden -Dinge, die uns davon abhalten werden, den Schritt zu gehen und der Herr unseres Lebens zu sein <3 Versuch zu dir zu finden und Mut zu tanken

  4. Liebe Kea,
    mit dem Thema hast du bei mir zu 100% ins Schwarze getroffen. Ich bin Ende 30, habe ähnliche Erkrankungen wie du und die innere Uhr hat die letzten 3-5 Jahre immer lauter und lauter getickt. Aktuell muss ich mich vom Thema extrem ablenken, damit das Ticken nicht permanent alles überdröhnt und ständig ungute Gedanken hervorruft.

    Die unangenehmen Gefühle sind so stark geworden, dass ich fast alle Mamis und Familien, denen ich z.B. auf Instagram gefolgt bin, deabonniert habe. Ich kann es einfach aktuell nicht ertragen, ständig mit Familienglück “belästigt” zu werden und meinen Neid und meine “Unzulänglichkeit” spüren zu müssen. Im direkten Umfeld habe ich noch Glück, da sind mehrere kinderlos (und auch etwas älter als ich), ich spüre aber auch, wie unglücklich diese Frauen damit sind. Auf mich wirkt das wie eine zusätzlihe Warnung: “Achtung, du musst jetzt sofort was tun, damit dir dieses Unheil nicht auch droht!”

    Das Schräge ist: Ich selbst wusste nie, ob ich Kinder will. Es war kein lang gehegter Traum von mir wie bei manchen anderen Frauen.
    Doch die Angst jetzt “nur” aus Angst und Unsicherheit mich dagegen zu entscheiden bzw. (noch schlimmer!) GAR NICHT zu entscheiden, sondern aufzuschieben, aufzuschieben, bis die Natur für mich entschieden hat, ist riesig.
    Würde/werde ich es mir mal, wenn der Zug abgefahren ist, verzeihen können, meine Angst nicht zu überwunden zu haben? Oder wird dann die Leere in meinem Leben erst so richtig wuchern und mich erdrücken? Und was tue ich meinem Partner an, wenn ich nicht “abliefere”…?
    (Dazu kommt bei mir viel Leere und “Sinnsuche” im Leben, wenig Lebensfreude – ggfs. wäre ein Kind etwas, das mir Sinn geben würde…so unschön es ist, ein anderes Wesen dafür “benutzen” zu wollen.)

    Bis Ende 20 hatte ich das Thema nicht auf dem Schirm, ich hatte noch genügend Zeit für eine Entscheidung, konnte daher schön alle Gedanken weg- und eine Entscheidung aufschieben. Ich fühlte mich wie du auch nicht “fit” genug für ein Kind.

    Später folgte eine Phase, in der es mir sehr gut ging – rückblickend wäre das der “richtige” Zeitpunkt gewesen (wenn es so einen überhaupt geben kann), denn in dieser Zeit fühlte ich mich stark, mutiger als sonst. Ggfs . hätte ich da also die Ängste überwinden und es “einfach mal tun” können, mich einfach drauf einlassen und eine Schwangerschaft – mit allen kurz- und langfristigen “Folgen – riskieren.
    Jedoch war ich da gerade in einer frischen Beziehung und habe daher erstmal weiter aufgeschoben – danach lief dann die Beziehung schwierig…

    Heute bin ich in einem extremen Tief mit meiner Angst, sodass aktuell Gedanken an Familie gar nicht in Frage kommen. Wenn ich mir nur im Ansatz erlaube, an das Thema zu denken, fließen sofort die Tränen. Gefühlt habe ich den Zeitpunkt verpasst (und ich blende dabei aus, dass ich wohl von meiner Reproduktionsfähigkeit noch so 3-6 Jahre Luft hätte, wenn man etwas nachhilft). Ich hoffe einfach, mich jetzt noch etwas intensiver um mich kümmern zu können, aus dem Tief rauszukommen, und mich dann voll auf das Thema einlassen zu können – aber das ist ggfs. eine Illusion, der ich mich da hingebe.

    Übrigens bin ich sogar davon überzeugt, dass ich, wäre es erstmal soweit, alles schon “irgendwie hinkriegen” würde. Ich denke, in vieles wächst man auch rein bzw. KANN dann davor nicht flüchten. (Noch viel mehr: Ich erwarte mir sogar ein stückweit Heilung durch Konfrontation mit Ängsten im Rahmen einer Schwangerschaft, Geburt und Kindeserziehung.)
    Aber der erste Schritt, sich auf diesen Weg zu begeben, den man dann nicht mehr recht wieder “abbrechen” kann, der erfordert so viel Mut, den ich nicht habe…

    Und zuletzt spielt auch bei mir der Gedanke “Kann ich einem Kind das antun?” eine Rolle. Meine Angst (deine ggfs. auch?) hat auch sehr viel mit Funktionieren-wollen, einem gewissen Perfektionismus oder zumindest Keine-Schwäche-zeigen-wollen zu tun. Ich werde aber gemessen an meinen seltsamen Maßstäben nie die “perfekte Mutter” sein. Ich werde vieles auch nicht so können wie ich es bei anderen wahrnehme. Kann ich das einem Kind wirklich antun? (Die Antwort lautet natürlich: Ja, man kann einem Kind das antun – letztlich geht es ja drum, sein Kind zu respektieren und zu lieben und das hat ja nichts mit igendwelchen Ängsten drumherum zu tun, die einen in gewissen Tätigkeiten einschränken. Diese Antwort kann ich aber nur anderen geben – bei mir selbst kommt sie nicht an.)

  5. Liebe kea…ich finde es sehr schön,auch wenn traurigschön, dass du so viel Liebe, Verantwortungsbewusstsein und sorge für ein noch nicht gewordenes leben hast…ich denke,dass das Dinge sind die eine gute Mama auszeichnen.ich bewundere es, dass du dir diese Gedanken machst und hoffe dass du für dich bzw ihr für euch eine Entscheidung treffen könnt.

  6. Du sprichst mir aus dem Herzen und fasst so viel in Worte, was mir durch den Kopf ging als ich angefangen habe mir ein Kind zu wünschen.
    Ich bin 25, ich habe eine schwere Depression, Sozialphobie, bin noch Studentin und mein geplantes und gewünschtes Kind wird bald sechs Monate alt.
    Es ist nicht einfach. Die Schwangerschaft war hart, so viele Vorwürfe, so viel “Was tue ich dem armen Kind nur an?” Natürlich auch mit der Möglichkeit im Kopf die Depression zu vererben. Wie könnte ich es ertragen, wenn jemand, den ich auf die Welt gebracht habe, vielleicht irgendwann gar nicht auf der Welt sein will?
    Es wissen immer noch nicht all meine Bekannten, die ich selten sehe und spreche, das ich überhaupt ein Kind habe, so sehr macht es mir noch manchmal Angst, dass ich die falsche Entscheidung getroffen haben könnte.
    Aber da ist gleichzeitig so viel Liebe, so viel Sicherheit im Umgang mit diesem kleinen Menschen, die Gewissheit endlich etwas gut zu können.
    Ein Kind ist ganz sicher keine Rettung und kein Heilmittel und sollte das auch nie, nie, niemals sein! Aber was es vielleicht sein kann: Ein trotzdem. Das Ende vom Warten auf die richtigen Umstände.
    Und entscheidend war für mich letzendlich das: Ich habe es verdient das Leben zu leben, das ich mir wünsche, auch wenn ich krank bin.
    Danke für deinen Text! Ich habe noch nie jemanden über psychische Krankheit und Kinderwunsch reden hören und es hilft sehr, dass es jemand tut.

  7. Liebe Kea!

    Ich habe großen Respekt vor deiner Erkrankung und wünsche dir von Herzen, dass du mit der Zeit und mit dem Alter irgendwann eine Ruhe hinein bekommst, mit der du es dir richtig gemütlich in deinem Leben machen kannst, und du aufhören kannst auf eine Stabilität zu warten, die man niemals – ob krank oder gesund – ins Leben bringen kann. Leben ist halt Leben :-) Bunt, wild und nicht planbar.

    Ich bin selbst krank und Mama eines zweijährigen Sohnes. Ich bin nicht psychisch krank, ich leide seit 2013 an CMD. Durch ein paar unglückliche Dinge, die nach der Geburt meines kleinen Sohnes (sehr fordernd, und SEHR wild, es wird nun langsam besser, aber die letzten 2 Jahre waren ECHT hart) passiert sind leide ich seit einem Jahr an Dauerkopfschmerzen und einer Verspannung im Nacken, Hals und vor allem Gesicht, die diese Schmerzen ins unendliche potenzieren kann. Ich frage mich seit 2013 täglich, wie ich meinen Gesundheitszustand verbessern kann, ob es eine Heilung für mich gibt, oder, was ja nun leider passiert ist, wie schlimm das alles noch werden und wie lange ich es noch ertragen kann. Nun habe ich ja das, wovor du Angst hast: ein großes körperliches Problem und ein kleines Kind, das wirklich das lebendigste Kind ist, das mir je begegnet ist (und wir sind deshalb sogar mit ihm in Behandlung, denn es ist wirklich so schlimm: er ist sogar aus der Krippe rausgeflogen wegen seiner wilden Art). Und ich kann dir sagen: wenn man am Anfang steht klingt es für einen selbst natürlich!! wie ein riesen Berg unlösbare Aufgaben die unmenschliches von dir verlangen. Und ja, es ist verdammt hart. An manchen Tagen schaffe ich es nicht alleine. Das sind aber wenige. Und dann kommt IMMER Hilfe, mein Mann, meine Mama, mein Schwiegervater. Die liebe Nachbarin oder Freundin, im Notfall eine Haushaltshilfe von der Krankenkasse (die dir mit Diagnose sicher dauerhaft zusteht) und dann kommen die lieben Kleinen ja alsbald schon in Krippe oder Kiga, so dass es dir das Leben erleichtert und du dich stundenweise auf dich besinnen und dich um DICH kümmern kannst. Ja, es ist oft kein Zuckerschlecken. Und ja, ich sitze oft vor insta und sehe bilder von Happy Moms und denke: schade das ich krank bin und oft die Momente nicht so genießen kann. Mir hilft es dann meine Handyfotos anzuschauen, dann sehe ich viel Glück und Zufriedenheit im Nachhinein, die ich vielleicht so in dem Moment (vor Schmerz) nicht erkennen konnte. Deshalb würde ich trotz starker Schmerzen und Kopfdruck (gegen beides hilft leider nicht viel) sagen, dass ich auf einer Skala von 1-10 (1= Tot, 10= Superhappy) mich immer bei 7-8 oder sogar 9 befinde. Auch wenn die Tage wirklich oft Hart sind, aber es gibt eben gute und schlechte Tage, und mein Kind ist trotzdem mein ganzer Stolz, meine große Liebe und mein Ein und Alles. Er ist so liebevoll mit mir und bringt das Licht und die Liebe in mein Herz, er lenkt meine Gedanken ab (und wenn es nur ist “Nein, nicht die Zahnbürste ins Klo werfen!”) und erfüllt mein Leben mit Sinn und Unsinn. Ohne ihn wäre ich nur ich und meine Krankheit. Ich wäre verloren im täglichen Gedankenkarussell um mich selbst.

    Kea, ich kann dir nicht raten mach dies oder das. Ich kann dir nur sagen es gibt andere da draussen die teilen dein Schicksal und die wissen auch oft nicht wie viele Finger ihnen jemand hochhält. Das darf und soll dir Mut machen, auf dein Herz zu hören! Finde raus, was das richtige für dich ist. Und sei dir immer gewiss, dass du nicht alleine bist mit einem Kind! Es werden viele Menschen auftauchen die dann an der Entwicklung deines Kindes beteiligt sind! Seien es Familie & Freunde oder eben liebe Dritte, die neu in euer Leben treten und es mit ihrer Hilfe bereichern und leichter machen werden.

    Alles alles Liebe für dich!!
    Deine Julia

  8. Liebe Kea, die Entscheidung für oder gegen ein Kind ist eine sehr private und unwiderbringliche Entscheidung. Deshalb danke, dass Du Deine Gedanken mit uns teilst. :) Und niemand kann Dir sagen was richtig wäre. Für mich persönlich stand immer fest, dass ich Kinder möchte und es hat glücklicherweise geklappt. Wäre ich ohne Kinder unglücklicher? Vielleicht… Aber wirklich wissen kann ich es nicht. Ich wünsche Dir die Kraft und den Mut eine Entscheidung zu treffen und dann die Stärke mit deren Konsequenzen gut zu leben- ob mit oder ohne Kinder.

  9. Danke <3 ich habe ähnliche Voraussetzungen und frage mich seit einiger Zeit, wie andere damit umgehen oder ob ich alleine mit solchen Gedanken bin. Ist es dumm ein Kind zu wollen, obwohl man krank ist?! Ist es mit offenen Augen ins Verderben zu rennen?! Oder würde vielleicht doch alles ganz anders und ganz wunderbar werden?! Danke für deine Gedanken dazu!

  10. “Und was, wenn das bei meinen potentiellen Kindern auch so wäre? Was, wenn ich eines Tages diese Traurigkeit in den Augen meines Nachwuchses entdecken würde oder mit ansehen müsste, wie sie eine ähnlich große Angst vorm Leben entwickeln, wie ich sie habe?” – oh, Kea! Diese Sätze treffen mitten in mein Herz, denn genau diese Gedanken kreisen auch so, so oft in meinem Kopf. Klar bin ich erst 25, aber auf Instagram und Facebook kann ich meine ehemaligen Jungscharkinder (!) mit ihrem neugeborenen Nachwuchs sehen, und in solchen Momenten beginnt in mir auch der Druck zu wachsen, ob es nicht so langsam echt Zeit wird. Aber im selben Moment kommen so viele Zweifel hoch: die von dir erwähnte Vererbung der Depression. Meine Hochsensibilität, die auch vererbbar ist und mir das Leben in dieser lauten, schnellen Welt oft so schwer macht. Die dadurch gesteigerte Empfindlichkeit gegenüber Stress und Lärm und das hohe Schlafbedürfnis. Die von meinem Vater übernommene Angewohnheit, auf Stress- oder Konfliktsituationen mit Ungeduld und Lautwerden zu reagieren, was ich meinem Kind nie antun wollte, weil ich selbst so sehr darunter gelitten habe. Meine soziale Phobie und die Angst, nicht für mein Kind einstehen und das beste für es fordern zu können, weil mich die Angst vor den anderen lähmt. Und dass mein Kind meine Vermeidung und Ängste aufsaugt und kopiert. Durch meine Asexualität kommt noch eine weitere Schicht an Sorgen dazu: Ich will eigene Kinder, aber kann mir nicht vorstellen, Sex zu haben…das ließe sich natürlich durch Adoption lösen, aber auch dadurch wäre ja das Problem nicht gelöst, dass ich so oft schon von der Verantwortung für mich selbst überfordert bin, geschweige denn der für ein anderes Lebewesen.
    Ich wünschte, ich könnte dir irgendetwas Mutmachendes sagen, aber du siehst, auch bei mir dreht sich das Gedankenkarussell zu diesem Thema rasend schnell. Aber dein Blogpost hat mir sehr gut getan: zu sehen, dass ich zumindest nicht die Einzige bin, die sich diese Sorgen macht. Und die Kommentare der anderen Leser*innen haben mir ein bisschen Mut gemacht. Vielleicht stimmt es ja, und es gibt weder den perfekten Zeitpunkt noch die perfekten Voraussetzungen, um Mutter zu werden (oder Eltern im Allgemeinen, das ist ja bei Vätern nicht anders). Und vielleicht ist es a schon ein kleiner Erfolg, wenigstens diesen einen kleinen positiven Gedanken mit in das Gedankenwirrwarr zu diesem Thema einflechten zu können…

  11. Liebe Kea,

    ich habe selten so etwas Trauriges, Persönliches und Kluges gelesen.

    (Auch wenn es nicht “die eine Lösung” gibt:
    Liebste Grüße und wie immer wünsche ich dir nur das Beste!)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Datenschutz

Der Schutz Deiner Daten ist mir wichtig. Bitte triff eine Auswahl, bevor Du meinen Blog besuchst. Klicke auf Hilfe, um mehr zu erfahren. Das opt-out für Google Analytics kannst Du - wenn Du willst - anschließend auf meiner Datenschutz-Seite unter dem Punkt Google Analytics aktivieren.

Select an option to continue

Deine Einstellungen wurden gespeichert.

Help

Help

Wähle eine der Optionen aus, um fortzufahren.

  • Alle Cookies zulassen:
    All cookies such as tracking and analytics cookies.
  • Nur First-Party-Cookies zulassen:
    Only cookies from this website.
  • Keine Cookies zulassen:
    No cookies except for those necessary for technical reasons are set.

You can change your cookie setting here anytime: Datenschutz. Impressum

Back