Wann wieder anfangen zu daten

Masturbation mit Beistand oder – wie man herausfindet, wann man bereit ist, wieder zu daten

Dieses Jahr war ein turbulentes Jahr – in vielerlei Hinsicht. Es war das Jahr, in dem ich zur Ruhe kommen wollte und das dann doch so viel Bewegung brachte. Es war das Jahr, in dem Berlin und ich einsehen mussten, das unsere Liaison auf ihr vorläufiges Ende zusteuerte. Und es war das Jahr, in dem ich beschloss, alleine zu bleiben. Keine neue Beziehung zu suchen, keine Dating-Apps aufs Handy zu laden und auch sonst nur auf einer einzigen Suche zu sein – nämlich der zu mir selbst. Nachdem ich entdeckt hatte, dass ich von Beziehungen in ungesunder Weise abhängig war, dass sich mein Leben viel zu stark um meine realen oder potentiellen Partner gedreht hatte, wollte ich lernen, den Mittelpunkt meines Lebens in mein eigenes Herz zu verlagern und mein inneres Leuchten selbst zu erzeugen.

Dieser Artikel ist somit Teil der Reihe zum Thema Liebes- und Beziehungsabhängigkeit und beschreibt Fortschritte, Rückschritte und Einsichten während dieser Reise. Um Missverständnissen vorzubeugen, erwähne ich es kurz in jedem Artikel, der dieses Thema berührt: es geht nicht um emotionale Askese. Es geht nicht darum, sich Beziehungen grundsätzlich zu verweigern. Ziel ist vielmehr der Aufbau gesunder, nährender Beziehungen, die nicht auf Abhängigkeit beruhen, sondern auf Freiwilligkeit. 

Single ohne Sex?

Und so ging ich vor einem Jahr ins Single-Dasein mit der Vorgabe, nicht aktiv nach Liebe, Beziehung und Bestätigung zu suchen. Sollte mir etwas Besonderes begegnen, etwas wirklich Gutes, würde ich mich nicht verschließen, aber vorerst ging es darum, mich auch ohne feste Partnerschaft wertvoll und vollständig zu fühlen. Die ersten Monate gingen ins Land – und es war hart. Speziell an den Wochenenden, den stillen Sonntagen, den Samstagabenden mit kalten Füßen im Bett hatte ich echten Suchtdruck. Wollte nur eine klitzekleine App, nur ein kleines bißchen Aufmerksamkeit von irgendjemandem, der mich mit dem Gefühl versorgte, liebenswert und attraktiv zu sein. Aber ich widerstand. Ging nicht auf die Jagd. Blieb mit mir alleine und arbeitete mich durch alle Gefühle, die in dieser Zeit an die Oberfläche trieben.

Rund um Ostern stellten sich schließlich die ersten Erfolgserlebnisse ein. Ich blieb über die Feiertage in Berlin. Die Sonne krachte voll motiviert vom Himmel, ich ließ mich durch Straßen, Ausstellungen und Museen treiben, saß abends mit meinen Katzen auf dem Schoß auf meinem Balkon und dachte: Mein Leben leuchtet! Und das ganz von alleine! Es war das süße Versprechen einer deutlich selbstbestimmteren Zukunft, das in diesen Momenten wohnte. Ich begann, mich stark zu fühlen, in mir ruhend und zufrieden, aber nach einiger Zeit meldete sich eine Stimme, die leise fragte – und was ist mit Sex? Ich konnte vielleicht darauf verzichten, morgens neben jemandem aufzuwachen, aber musste ich auch darauf verzichten, dass jemand mich vom Schlafen abhielt? Sex stand gar nicht unbedingt auf meiner schwarzen Liste. Was also tun?

 

Wann wieder anfangen zu daten 2

Für meine Singlefreundinnen und mich schien die Lösung einfach – unverbindlicher Sex mit netten Menschen. Gerne mit Wiederholungspotential. Nichts, was unsere Welt aus den Angeln hob. Keine Schmetterlinge, keine wilden Zukunftsträume, keine Überlegungen, wie der eigene Vorname zu seinem Nachnamen und so weiter… Physische Anziehung ja, aber kein Treffer ins Herz. “Perfekt!”, dachten wir uns, wenn sich eine solche Gelegenheit ergab, schl…

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